Zeitung Heute : Schwestern und Pfleger: Nach fünf Jahren ausgebrannt

Der Tagesspiegel

Krankenschwestern geben bereits nach durchschnittlich fünf Jahren ihren Beruf wieder auf. Schon ausgebrannt? Das Burnout-Syndrom entsteht nach Einschätzung des Gerontologie-Professors Andreas Kruse nicht unbedingt durch Überlastung, sondern oft durch Frustration – durch das Gefühl: „Du kannst das, was du gelernt hast, nämlich präventive und rehabilitative Pflege, hier gar nicht tun.“

Dies bestätigt eine anonyme Befragung von 43 000 Pflegekräften in fünf Ländern („Health Affairs, Jahrgang 20, Nr. 1, Seiten 43–53). Beteiligt waren Versorgungsforscher aus den USA, Kanada, England, Schottland und Deutschland, unter Federführung der Universität von Pennsylvania. Ein paar Ergebnisse: Unzufrieden mit dem Arbeitsplatz ist etwa ein Drittel der Pflegenden, weit mehr als in anderen Berufen. Vor allem viele junge Schwestern und Pfleger äußerten die Absicht, die Klinik zu verlassen. International übereinstimmend fand nur ein Drittel, dass die Zahl der ausgebildeten Kräfte für eine qualifizierte Pflege ausreicht. Und 30 bis 40 Prozent waren der Meinung, dass die Klinikverwaltung sie anhört und auf ihre Anliegen eingeht.

Manche Antworten differieren stark von Land zu Land. So gaben 41 Prozent der amerikanischen Nurses an, in Entscheidungen einbezogen zu werden, aber nur 23 Prozent der deutschen Pflegekräfte; ein Indiz für das unterschiedliche Ansehen des Berufs. In Deutschland haben ausgebildete Pflegekräfte auch weit öfter als anderswo Hilfsarbeiten wie Essensverteilung oder Patiententransporte zu erledigen und finden daher keine Zeit für notwendige fachliche Arbeiten wie Pflegeplanung, Haut- und Mundpflege oder informierende und tröstende Gespräche. Nur zwölf Prozent der in Deutschland Befragten nannten die Qualität der Patientenversorgung auf ihrer Station „ausgezeichnet“.

Einen chronischen Mangel an qualifizierten Pflegekräften sagen die Autoren der Studie voraus, sofern man nicht eine Personalpolitik entwickelt, wie sie in anderen konkurrierenden Arbeitsbereichen üblich ist: Mit besseren Aufstiegschancen, lebenslanger Fortbildung, flexiblen Arbeitszeiten und anderen Maßnahmen, die zur Bindung an den Arbeitsplatz beitragen. R.St.

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