Zeitung Heute : Schwimmen wird ein teurer Spaß

Der Tagesspiegel

Von Susanne Vieth-Entus

Die Berliner Bäderbetriebe (BBB) wollen mit drastischen Preissteigerungen und der Stilllegung von elf Hallen auf die Sparvorgaben der Koalition reagieren. Wie erfuhr, wurde die ursprüngliche Schließungsliste verändert: Neu hinzugekommen sind das Stadtbad Kreuzberg und das Sommerbad Poststadion. Das Forumbad im Olympiastadion sowie die alte Halle Krumme Straße und das Schwimmbad an der Wuhlheide sollen dagegen weiter betrieben werden. Entschieden wird im Aufsichtsrat am Mittwoch.

Die Bäderbetriebe müssen im laufenden Jahr zwei Millionen Euro einsparen und bis 2006 sogar elf Millionen, weshalb Bäderstilllegungen unvermeidlich sind. Die erste Schließungsliste war vor zwei Wochen vom Aufsichtsrat verworfen worden, weil die zugrunde liegenden Wirtschaftsdaten teilweise nicht mehr aktuell waren. Jetzt erfolgte ein neuer Datenabgleich.

Das Ergebnis wurde gestern dem Wirtschaftsausschuss der BBB vorgelegt, der der Liste denn auch mehrheitlich zustimmte. Demnach darf das Forumbad weiter existieren, weil die Wasserfreunde Spandau 04 ihr Engagement in dem Bad noch erheblich ausweiten und damit die Kosten senken wollen. Die prächtige alte Halle Krumme Straße wird erhalten, weil nur halb so viel Investitionen nötig sind wie angenommen. Das Bad an der Wuhlheide bleibt offen, weil dort zwischenzeitlich saniert wurde, was der Vorstand nicht wusste. Dagegen muss das Sommerbad Poststadion wohl mit Schließung rechnen, weil es angeblich einen Investitionsstau von 4,1 Millionen Euro hat.

Auf der alten und neuen Schließungsliste stehen die Bäder Weinstraße, Wolfshagener Straße, Rudolf-Seifert-Straße, Adlershof, die Stadtbäder Steglitz, Wedding, Zehlendorf, das Sportforum Hohenschönhausen und das Bad in der Cité Foch. Für Letztgenanntes gibt es aber Hoffnung, weil sich der Bezirk und mehrere Vereine erheblich einsetzen.

Bädervorstand Klaus Lipinsky rechnet nicht damit, dass die Stilllegungen zur Überlastung der restlichen Bäder führen. Und zwar deshalb nicht, weil er infolge der geplanten Preissteigerungen zunächst einen Besucherrückgang um 30 Prozent erwartet. Dass dieser enorme Rückgang zu einer weiteren Verschlechterung seiner Bilanzen führt, glaubt Lipinsky im Übrigen nicht. Denn jeder Schwimmer verursacht zusätzliche Kosten von drei Euro allein schon durch das Duschen und durch den notwendigen Austausch von 50 Liter Beckenwasser.

Ob die Preissteigerungen am Mittwoch im Aufsichtsrat eine Mehrheit finden, ist ungewiss. Aufsichtsratsmitglied und Verdi-Vertreter Werner Roepke hält die Verteuerung für überzogen und nicht ausreichend begründet. Außerdem fehle der Vergleich mit den anderen Bundesländern. Den will Lipinsky am Mittwoch nachreichen. Er sagte auf Anfrage, dass es in Hamburg und Frankfurt noch teurer ist zu schwimmen, in München, Düsseldorf und Köln preiswerter und in Bremen gleich teuer. Ernüchterung gibt es bei den Vereinen in Sachen Schwimmhallenpacht. Unternehmensberater haben ihnen davon abgeraten, Hallen zu übernehmen, da der Senat keinerlei Zuschüsse zahlen will. „Es funktioniert nirgends ohne Zuschüsse“, fasst Werner Roepke von Verdi die bisherigen Erfahrungen zusammen.

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