Zeitung Heute : Schwimmen wird zum Luxussport

Der Tagesspiegel

Von Annekatrin Looss

Baden in Berlin wird erheblich teurer. Der Aufsichtsrat der Berliner Bäderbetriebe hat am Donnerstag einer Erhöhung der Eintrittspreise zugestimmt. Demnach kostet eine Tageskarte ab dem 27. April vier statt bisher drei Euro, der Preis für eine Zehnerkarte steigt um neun auf 36 Euro, die Drei- und Sechs-Monatskarten entfallen ganz. Stattdessen verkaufen die Schwimmhallen dann 25er-Karten zum Preis von 88 Euro.

Am stärksten von den Preiserhöhungen betroffen sind die Senioren. Sie erhalten keine Ermäßigungen mehr und müssen ebenfalls vier Euro für einen Besuch im Schwimmbad zahlen. Gleiches gilt für Arbeitslose. Ermäßigten Eintritt bekommen nur noch Personen, deren Einkommen so gering ist, dass sie auch von der Medikamentenzuzahlung befreit sind. Studenten, die älter als 27 Jahre sind, zahlen ebenfalls voll. „Nur 17 Prozent unserer Besucher haben in den vergangenen Jahren den vollen Eintritt bezahlt“, rechtfertigt BBB-Sprecher Hans-Joachim Munte diesen Schritt. Teuer wird das Schwimmen auch für Familien. Der Preis einer Wochenend-Familienkarte steigt um fast 50 Prozent auf sieben Euro.

Durch die Preiserhöhungen rechnen die Bäderbetriebe mit einem Besucherrückgang von etwa 30 Prozent, wie berichtete. Dennoch erwarten die Bäderbetriebe durch die Preiserhöhungen drei Millionen Euro Mehreinnahmen jährlich, womit sie die Zuschusskürzungen in Höhe von drei Millionen Euro ausgleichen wollen.

Mit den neuen Preisen sei sichergestellt, dass die Besucher zumindest den Selbstkostenpreis von etwa drei Euro bezahlen. Dass sei bei den bisherigen Monatskarten nicht immer der Fall gewesen, sagte Munte.

Auch über die Einführung von zeitlich gestaffelten Preisen habe man bei den Bäderbetrieben nachgedacht. Jedoch müssten vor deren Einführung entsprechende Automaten in den Schwimmhallen aufgestellt werden. Dafür fehlt den Bäderbetrieben das Geld.

Sportsenator Klaus Böger (SPD), zugleich BBB-Aufsichtsratsvorsitzender, bezeichnete die erhöhten Preise als notwendig. Jedoch habe man darauf geachtet, dass Schwimmbadbesuche auch weiterhin für Familien bezahlbar bleiben.

„Die Preiserhöhungen führen dazu, dass sich Geringverdiener den Schwimmbadbesuch nicht mehr leisten können“, kritisiert dagegen die sozialpolitische Sprecherin der Grünen, Elfi Jantzen. Umso wichtiger sei es jetzt, „Berlin-zum-halben-Preis“-Pässe einzuführen. Damit sollen Menschen mit geringem Einkommen in Schwimmhallen, Theatern und Museen nur den halben Preis zahlen. Der Senat wolle die Einführung solcher Pässe bis zum Jahresende prüfen.

Als eine Milchmädchen-Rechnung, die nicht aufgehen werde, bezeichnete CDU-Geschäftsführer Uwe Goetze die Erhöhung der Eintrittspreise. Noch immer fehle den Bäderbetrieben ein schlüssiges Konzept. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sei die Änderung des Bäderanstaltsgesetzes, sagte BBB-Sprecher Munte weiter. Eine entsprechende Änderung werde in der Senatsverwaltung vorbereitet und soll dem Abgeordnetenhaus spätestens im Sommer vorgelegt werden, sagte der Sprecher der Verwaltung, Thomas John. Darin ist unter anderem eine Verkleinerung des Aufsichtsrates vorgesehen, außerdem sollen die Grundstücke, auf denen sich Schwimmhallen befinden, von den Bezirken auf die Bäderbetriebe übertragen werden, um die Investorensuche zu erleichtern.

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