Zeitung Heute : Schwitzen wie Schwarzenegger

Diskretion ist selbstverständlich im „Holmes Place Lifestyle Club“ am Gendarmenmarkt. Schließlich trainieren und entspannen hier auch Politiker und Prominente – ungestört

Annette Kögel

Das ist ein Gefühl, als ob man plötzlich in einer Weichbodenmatte versinkt. Als würde der Stressmotor gedrosselt. Körper und Seele kommen zur Ruhe. Tief durchatmen.

Dabei sollten wir uns doch nur hinsetzen, die Augen zumachen und an einem Ölfläschchen riechen. Währenddessen legt einem Heidi Presterud, die Chef-Kometikerin vom „Holmes Place Lifestyle Club“, die Hand ganz sanft auf die Schulter. Das beruhigt ungemein. So funktioniert das also mit der Wellness. In dem „Lifestyle Club“ am Gendarmenmarkt wissen sie genau, wie man es den Gästen richtig gut gehen lässt. In Berlin sucht der Luxusclub seinesgleichen.

„Hi, ich bin David“, so stellt sich der Club-Manager hier vor: David Nassim, 39 Jahre jung, hat schon in der Freizeitindustrie auf der ganzen Welt gearbeitet. Über 80 „Holmes Place Lifestyle Clubs“ in zehn Ländern gibt es. Die Berliner Anlage führt Nassim seit zehn Monaten. In dem Club im „Business District“, so drückt das der gebürtige Brite aus, will er vor allem die „Berlin-Mitte-Crowd“ ansprechen. Und hat damit offensichtlich Erfolg: Seit die Anlage im Herbst 2001 eröffnet wurde, ist die Zahl der Mitglieder im Club auf mittlerweile 3200 gestiegen.

„Das Publikum in Berlin gefällt mir“, sagt David, „die Leute setzen in dieser Stadt weniger auf Statussymbole und Prestige als auf die eigene Präsenz und Ausstrahlung.“ Politiker hängen ihren Anzug in die mit warmen Farben getünchten Umkleidekabinen, viele Senatoren, Staatssekretäre. Auch Unternehmerinnen und Botschaftergattinnen wollen Bauch und Popolster wegtrainieren, den Kopf freikriegen. Aber auch Studenten stemmen Gewichte und greifen sich dann eines der Gratishandtücher aus den Regalen.

Jürgen und Margrid Bluhm gehören zu den Stammbesuchern des Clubs mit seinen 5000 Quadratmetern auf drei Geschossen. Früher gingen der 66-jährige pensionierte Armee-Mitarbeiter und die 60-jährige Zahnarzthelferin fünf Tage die Woche arbeiten. Heute sind sie von Montag bis Freitag im Holmes Place. „Erst wollten wir gar nicht. Aber unsere Tochter hat uns überredet, und jetzt können wir uns den Alltag kaum mehr ohne den Club vorstellen“, sagt Margrid Bluhm. Während ihr Mann gern schwimmt, begeistert sie sich für Yoga, Tai Chi und die Gymnastik für Bauch, Po und Rücken. „Weil das so schön entspannt.“ Und man im Club so ungestört sei. Meist jedenfalls.

Wenn nicht gerade eine Reporterin die Gäste anspricht. David Nassim sieht das gar nicht gern. Man solle hier besser nicht einfach so ohne Genehmigung auf die Leute zugehen. Schließlich wollen auch Arnold Schwarzenegger, Til Schweiger oder Wolfgang Joop, die alle schon mal hier waren, in Ruhe schwitzen, ohne ihr Handtuch womöglich gleich an einen Fan weiterreichen zu müssen. Deswegen sei Diskretion selbstverständlich im Holmes Place, sagt Nassim. Das beginnt schon im Foyer: Den Pool erkennt man nur durch ein schmales Fenster in der Wand. Und wer nicht Treppen steigen mag, hat im Fahrstuhl seine Ruhe. 60 Mitarbeiter hat der Club, davon 30 Festangestellte, und sie alle nicken jedem Gast mit diesem wissenden Lächeln zu: Willkommen, Sie gehören also auch dazu.

Im Fitnessbereich erkennt man die Mitarbeiter an den terracottafarbenen T-Shirts. Die Personal-Trainer tragen edles Schwarz. Fitnesschef Björn Kusche ist ein Riese mit dunkler Stimme. Der 27-Jährige betreut seine Klientel auf der großen Trainingsfläche mit Laufband, Crosstrainer und Kraftmaschinen-Kollektion. Tageslicht fällt durch Dachfenster und blitzt auf glänzendem Stahl. Nur die Plasma-TV-Bildschirme, auf denen Nachrichtensender laufen, erinnern an den Arbeitsalltag da draußen. Unten auf dem Gendarmenmarkt eilen Passanten vorbei, das sieht man von der Trainingsecke der Frauen aus durch die Scheibe. Rund 20 Prozent aller Gäste kamen einst aus dem Ausland nach Berlin. Da müssen die Kurse in den drei Studios Namen tragen wie „Shape/Stretch“, „Kick Fit“ „Fatburner“ oder „Pilates“. Auf das Letztgenannte schwört auch Madonna, sie ist in London „Holmes“-Mitglied. Voll wird es in Berlin bei den „Indoor-Cycle“-Kursen. Da radelt man auf der Stelle beispielsweise Routen der Tour de France nach – die kann man vor sich auf einem Bildschirm sehen.

Maja Lopatta aus Mitte lässt die Sache indes ruhiger angehen. Als sie jung war, hat man noch nicht von Wellness gesprochen, sondern von Sportreisen, Erholungsurlaub, Langlauf und Kuren. Jetzt sagt die Dame, die ihr Alter nicht verraten mag, „Holmes Place ist mein Zuhause“. Neulich, als sie im Krankenhaus lag und ein neues Schultergelenk bekam, „haben mich sieben Mitarbeiter aus dem Club angerufen. Und einen Blumenstrauß haben sie auch geschickt.“ So was tut gut. Wellness eben.

Holmes Place Lifestyle Club, Friedrichstraße 68, 10117 Berlin – Eingang Mohrenstraße 50. Preislisten gibt es nicht. Die monatliche Gebühr beträgt zwischen 75 und 125 Euro. Tel. 2062 4949; www.holmesplace.de.

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