SCIENCE-FICTION-SATIRE„Iron Sky“ : Damals hinterm Mond

Foto: Polyband/24 Bilder
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Erstaunlich, dass bei all den bizarren Film-Plots der letzten Jahrzehnte erst ein paar finnische Science- Fiction-Freaks kommen mussten, um dieses geniale Szenario zu entwerfen: Im Jahr 2018 entdeckt der afroamerikanische Astronaut James Washington (Christopher Kirby) auf der Mondrückseite einen gigantischen Gebäudekomplex, der sich als Zufluchtsort exilierter Nationalsozialisten entpuppt.

Die Mondnazis harren dort seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus und planen die Rückeroberung der Erde, haben es jedoch bislang nicht geschafft, ihr Superraumschiff „Götterdämmerung“ zum Fliegen zu bringen. Doch das bei Washingtons Gefangennahme erbeutete Smartphone scheint den durchgeknallten Dr. Richter (Tilo Prückner) ans Ziel zu bringen, übertrifft es doch die Rechnerleistung der monströsen Nazicomputer bei Weitem. Also wird eine Kommandoeinheit mit dem skrupellosen Klaus Adler (Götz Otto) und seinem naiven Liebchen Renate (Julia Dietze) zur Erde geschickt, um mehr der famosen Minicomputer zu erbeuten.

„Iron Sky“ ist mit knapp 8 Millionen Euro Produktionskosten ein im Genrevergleich lächerlich billiger Film, der aber gar nicht billig aussieht. Die Naziflugkörper sind ebenso wie die gewaltigen Innenräume der Mondstation mit Liebe zum Detail entworfen. Die finalen Weltraumschlachten müssen sich nicht hinter Genrestandards verstecken.

Die Frage, ob man über Nazis lachen darf, ist schnell entschieden: Die lunaren Hakenkreuzler unter Führung des Hitlernachfolgers Kortzfleisch (angemessen größenwahnsinnig: Udo Kier) sind ein Haufen ewiggestriger Irrer, aber auch nicht viel verrückter als die nach dem Vorbild von Sarah Palin gestrickte US-Präsidentin (Stephanie Paul), die im Oval Office auf dem Stepper trainiert und den Sternenkrieg mit den Nazis als gelungene PR-Kampagne für ihre Wiederwahl versteht.

Leider verpuffen manche der vielen guten Ideen – etwa diejenige, die strammen Arier mit ihren degenerierten Neonazinachfolgern zu konfrontieren – durch die holprige Dramaturgie und das wenig überzeugende Timing. Zudem hätte die in hemmungslosem Overacting mündende Begeisterung der Akteure etwas gezügelt werden dürfen. Als charmantes B-Picture kann „Iron Sky“ durchaus überzeugen, aber man fragt sich schon, was ein Regisseur wie Quentin Tarantino aus dieser Steilvorlage gemacht hätte. Amüsant. Jörg Wunder

FI/D/AUS 2012, 92 Min., R: Timo Vuorensola,

D: Udo Kier, Götz Otto, Julia Dietze, Christopher Kirby, Tilo Prückner, Stephanie Paul

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