SCIENCE-FICTION-THRILLER „Source Code“ : Acht Minuten Ewigkeit

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Foto: KinoweltFoto: Photo: Jonathan WENK

Ist es ein Albtraum oder Wirklichkeit? Als der Air- Force-Pilot Colter Stevens (Jake Gyllenhall) in einem Chicagoer Vorortzug erwacht, weiß er weder, wie er dort hingekommen ist noch wer die junge Frau (Michelle Monaghan) auf dem Sitz gegenüber sein könnte, die ihn gut zu kennen scheint. Im Spiegel der Bordtoilette blickt ihm ein Unbekannter entgegen. Wenig später wird der Zug bei einer Bombenexplosion zerstört, es gibt keine Überlebenden.

Stevens erwacht in einem abgedunkelten Gehäuse, offenbar sein abgestürzter Hubschrauber. Über einen Monitor erklärt ihm eine Offizierin (Vera Farmiga), dass er an dem militärischen Geheimprogramm „Source Code“ teilnimmt. Dieses ermöglicht es ihm, die letzten acht Minuten eines Verstorbenen, in diesem Fall eines der Bombenopfer, nachzuerleben – ein Vorgang, der beliebig wiederholt werden kann, allerdings um den Preis extremer psychischer und physischer Belastung. Stevens hat den Auftrag, den Attentäter zu enttarnen, weil der einen noch viel verheerenderen Anschlag mittels einer schmutzigen Bombe angekündigt hat, der mit allen Mitteln verhindert werden soll.

„Source Code“ ist eine hochinteressante Variation der in diversen Filmgenres von Science Fiction bis Komödie geläufigen Zeitreise- oder Zeitschleifen-Thematik. Wenn Stevens immer wieder dieselben Minuten erlebt, die aber durch seine Vorkenntnisse und sein Eingreifen immer anders verlaufen, fühlt man sich unweigerlich an Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ erinnert. Nur dass es hier wenig zu Lachen gibt. Stattdessen entwickelt Stevens mit jedem Aufenthalt in einer Realität, die nicht die seine ist, stärkere emotionale Bindungen. Bald will er sich nicht mehr damit abfinden, dass seine Achtminuten-Trips nicht die Vergangenheit umschreiben können, wie ihm der „Source Code“- Leiter (Jeffrey Wright, bekannt als Felix Leiter aus den letzten James-Bond-Filmen) einschärft.

Es ist faszinierend, mit welcher Souveränität Duncan Jones bereits bei seinem zweiten Spielfilm – und nur ein Jahr nach seinem großartigen Science-Fiction-Kammerspiel „Moon“ – die Möglichkeiten einer Blockbuster-Produktion zu nutzen versteht. „Source Code“ ist trotz der komplizierten Handlung ein stilistisch brillanter, toll gespielter, äußerst spannender und stringent erzählter Zeitreise-Thriller, der einen in angenehm schlanken 93 Minuten keine Sekunde langweilt und immer wieder überrascht. Herausragend.Jörg Wunder

USA/F 2011, 93 Min., R: Duncan Jones, D: Jake Gyllenhall, Michelle Monaghan, Vera Farmiga

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