SCIENCE-FICTION„Prometheus – Dunkle Zeichen“ : Fass das nicht an!

Foto: Fox
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Steht ein Alien am Wasserfall. Das ist nicht der Anfang eines Witzes, sondern der Beginn des menschlichen Lebens auf Erden. Zumindest dann, wenn man Ridley Scotts Science-Fiction-Film „Prometheus – Dunkle Zeichen“ folgt, der mit dem invasiv- kreationistischen Akt einer außerirdischen Rasse beginnt. Zehntausende Jahre später, am Ende des 21. Jahrhunderts, hat die Menschheit das technologische Niveau erreicht, um das titelgebende Raumschiff zur mutmaßlichen Heimat der sogenannten „Konstrukteure“ zu schicken, deren Raumkoordinaten sie anhand prähistorischer Höhlenzeichnungen rekonstruieren konnten.

Dummerweise findet die vom Weyland-Konzern finanzierte Expedition nach mehrjähriger Reise nicht die erhoffte Super-Erde vor, sondern nur einen öden Himmelskörper mit zyklopischen, längst verlassenen Bauten. Nachdem der Android David (Michael Fassbinder, rechts) die aus Archetypen wie der enthusiastischen Forscherin (Noomi Rapace, Mitte), ihrem draufgängerischen Kollegen (Logan Marshall-Green), der skrupellosen Konzernchefin (Charlize Theron) und dem bärbeißigen Raumschiffkapitän (Idris Elba) bestehende Mannschaft aus dem Kälteschlaf geweckt hat, macht man sich mit erstaunlicher Naivität (reptilienartigen Kleinlebewesen auf fremden Planeten hält man natürlich als erstes mal die Hand hin) an die Erforschung der Artefakte. Dass im labyrinthischen Inneren der blanke Horror auf die Crew wartet, ist höchstens für denjenigen eine Überraschung, der noch nie etwas von den vier „Alien“-Filmen gehört hat, deren Vorgeschichte „Prometheus“ erzählt.

Seit dem US-Kinostart im Juni tobt im Internet eine hitzige Debatte darüber, ob es eine gute Idee von Ridley Scott war, seinem SF-Klassiker „Alien“ aus dem Jahr 1979 eine Art Prequel hinzuzufügen. Trivialisiert Scott seine eigene Alien- Schöpfung, indem er eine, wenn auch verklausulierte, Genese konstruiert? Die Faszination dieses Wesens von einer anderen Welt lag ja – neben der ikonischen, vom Schweizer Künstler H.R. Giger erdachten Gestalt – gerade in der mit menschlichen Maßstäben nicht zu fassenden Aggressivität, die nie erklärt wurde.

Abgesehen von diesem eher grundsätzlichen Einwand und dramaturgischen Schwächen ist „Prometheus“ ein visuell herausragender und inhaltlich diskussionswürdiger SF-Horror-Schocker für starke Nerven, der auf die geplanten Fortsetzungen neugierig macht. Faszinierend.Jörg Wunder

USA 2012, 124 Min., R: Ridley Scott, D: Michael Fassbender, Noomi Rapace, Charlize Theron

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