SCIENCE-FICTION„Star Trek Into Darkness“ : Am Himmel ist die Hölle los

Foto: Paramount
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Die in Deutschland als „Raumschiff Enterprise“ bekannte TV-Serie lief in den USA ab 1966 unter dem Originaltitel „Star Trek“ und war eine in den Weltraum des 23. Jahrhunderts verlegte Nacherzählung des Trecks nach Westen, also der Erschließung des amerikanischen Kontinents durch weiße Siedler. In den meisten Folgen gab es – nicht zuletzt aus Kostengründen – mehr Fachsimpeleien als Kampfszenen, auch wenn der von William Shatner gespielte erste Captain Kirk keiner Prügelei abgeneigt war.

Von dieser kontemplativen Atmosphäre ist im zwölften Kinoableger der Serie wenig übrig: „Star Trek Into Darkness“ handelt vom epischen Kampf der Enterprise-Crew um Kirk (Chris Pine) und den Vulkanier Spock (Zachary Quinto) gegen einen Superterroristen (Benedict Cumberbatch) und Kriegstreiber aus den eignen Reihen. Darüber ist der Film zu einem spektakulären Science-Fiction-Abenteuer mutiert, das alle Elemente enthält, die man bei einem 185-Millionen-Dollar-Budget erwartet. Es gibt Weltraumgefechte, Verfolgungsjagden, Raumschiffabstürze, Naturkatastrophen – alles auf dem neuesten Stand der Tricktechnik und in 3-D.

Fragt sich, ob Regisseur J. J. Abrams („Lost“) mit seiner Actionorgie den Geist des einstmals pazifistischen Star-Trek-Universums trifft. Schon mit dem 2009 angelaufenen Prequel hat er dem Franchise seinen Stempel aufgedrückt. Die Entscheidung, all die ikonischen Charaktere – Kirk, Spock, „Pille“ (Karl Urban), „Scotty“ (Simon Pegg), Uhura (Zoë Saldana) – mit jungen Schauspielern zu besetzen, erwies sich damals als goldrichtig. Mit der Etablierung einer veränderten Zeitlinie verschaffte sich Abrams die Freiheit für den Neustart, bei dem vieles ähnlich, aber doch alles anders ist als zuvor.

Akzeptiert man, dass der die Serie prägende Sense of Wonder vielleicht erst in künftigen Episoden wieder eine tragende Rolle spielt, ist „Star Trek Into Darkness“ eine gelungene Weiterentwicklung. Der raffiniert verschachtelte, spannende Plot steckt voller Bezüge zum Serienkontinuum. Zudem funktioniert das Ganze nicht nur als Actionblockbuster, sondern dank eines pointierten Drehbuchs auch als homogener Ensemblefilm mit einem herausragenden Schurkendarsteller. Und dass Benedict Cumberbatch ein hinreißender Bösewicht sein würde, dürfte jedem klar sein, der ihn als misanthropen Detektiv aus der BBC-Serie „Sherlock Holmes“ kennt. Spektakuläre Weltraum-Action.Jörg Wunder

USA 2013, 129 Min., R: J. J. Abrams, D: Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch, Zoë Saldana, Peter Weller, Karl Urban, Simon Pegg

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