SEHEN LASSEN : Farben und Formen

Antike

Operationen am Auge gab es schon im antiken Ägypten und dem folgenden Römischen Reich – also vor tausenden Jahren. Viel versprechende Betäubungsmethoden wurden aber erst später entwickelt. Vor rund 125 Jahren sind Patienten bei einer Operation am Auge mit der Droge Kokain betäubt worden. Das Extrakt aus der südamerikanischen Coca-Pflanze war als Arzneimittel üblich und in Apotheken erhältlich.

Augenfarbe

Die Augenfarbe, eigentlich die Farbe der Iris, wird vererbt – allerdings können zwei braunäugige Eltern durchaus ein Kind mit blauen Augen zeugen. Zunächst ist die Iris bläulich: Die kurzwelligen, blauen Lichtstrahlen werden am besten reflektiert, daher wirkt das Auge bei Neugeborenen blau. Mit sechs Monaten erreicht die auch Regenbogenhaut genannte Iris ihre genetisch angelegte Färbung: Melaninproduzierende Zellen bilden gelbliche bis braune Schichten auf der Irisoberfläche. So wird die ursprünglich blaue Farbe bei vielen Menschen dunkler – bis hin zu tiefem Braun. Grüne Augen gibt es eigentlich nicht, nah betrachtet sind sie blau mit gelbbraunen Pigmentflecken. Die meisten blauen und grünen Augen finden sich in Skandinavien, außerhalb Europas und Nordamerikas dominiert braun. Es gibt übrigens angeborenerweise verschiedenfarbige Augen beim gleichen Menschen. In Einzelfällen sollen Menschen, denen ihre Augenfarbe nicht gepasst hat, versucht haben, sie mit einem Medikament gegen hohen Augeninnendruck zu ändern. Das Arzneimittel fördert – quasi als Nebenwirkung – die Pigmenteinlagerung und führt zum Abdunkeln der Iris.

Farbenblind

Farbenblindheit ist selten, schätzungsweise 3000 Menschen sind bundesweit davon betroffen. Häufiger ist die Rot-Grün-Schwäche – unter ihr leiden verschiendenen Experten zufolge zwischen zehn und 20 Prozent aller Männer, allerdings deutlich weniger Frauen. Vollständig rot-grün-blind sollen aber nur fünf Prozent der deutschen Männer sein. Selten ist die Gelb-Blau-Blindheit.

Sprichworte

In der Sprache erfreut sich das Auge größter Beliebtheit. Wie das Herz ist es ein in der Alltagskultur geschätztes Organ. Eine Auswahl: „Das Auge isst mit“, heißt es in der Küche. Wer nicht aufisst, bekommt zu hören: „Da waren die Augen wohl größer als der Magen.“ Nicht nur in antiken Kriegen, auch in zeitgenössischen, religiös geprägten Auseinandersetzungen wird zuweilen auf das Bibelzitat verwiesen: „Auge um Auge, Zahn um Zahn.“ Ist man (nach langem Tüfteln) endlich am Ziel, findet folgender Spruch Anwendung: „Passt wie die Faust aufs Auge.“ Trennen sich die Wege von zwei einst vertrauten Menschen, heißt es: „Aus den Augen, aus dem Sinn.“ In die Kategorie Romantik fällt auch: „Das Auge ist ein Fenster zur Seele.“ Über karriereorientierte Politiker oder windige Geschäftsleute wird bei scheinbaren Interessengegensätzen gerne gesagt, dass „eine Krähe der anderen kein Auge aushackt.“hah

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