Zeitung Heute : sehen uns Wir

Der Sommer kommt, die Menschen zieht es nach draußen. Und wo gucken sie hin? Wir haben uns mal in Berlin umgeschaut.

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Manchmal läuft man irgendwo, schaut vor sich hin, und plötzlich merkt man es. Ein Blick auf die Stadt öffnet sich, alles wirkt wie absichtlich arrangiert, aber es ist wohl Zufall. Ja, das ist sie, das ist die Stadt. Sie hat sich hingesetzt wie zu einem Porträtfoto.

Das erste, was man von einer Stadt kennen lernt: die äußere Hülle. Die Haut. Eine Stadt setzt sich im Gedächtnis aus Ansichtskarten zusammen. Man muss sie lesen können. Sie lügen oft. Wer die Stadt kennt, weiß, wo sich hinter gefälligen Fassaden elende Wohnungen verbergen, wo die scheinbaren Fabriken längst keine Fabriken mehr sind, wo Schurken und Helden wohnen, Alte oder Junge, die ganzen Geschichten.

Wir haben uns mal umgesehen: Was ist Berlin? Welcher Blick? Welche Stadtansicht? Was ist typisch? Was ist schön?

Es sind ein paar erwartbare und ein paar unerwartete Bilder herausgekommen. Berlin ist flach, das Auge kann weit schweifen. Berlin ist im Sommer sehr grün. Berlin hat viel Wasser. Berlin hat immer noch ein paar ziemlich prachtvolle Gebäude. An manchen Stellen wirkt Berlin dynamisch und schnell, an anderen Stellen arm und verträumt. Der Blick auf Berlin müsste das alles enthalten. Es müsste auch ein weiter Blick sein, denn Berlin ist groß.

Bauwerke und Straßen. Das macht eine Stadt für das Auge aus. Die Menschen spielen in einer Stadtansicht scheinbar die zweite Geige. Aber sie haben die Stadt schließlich gebaut. Jedes Dach, jede Sichtachse, jede Biegung im Kanal ist die Idee eines Menschen, der meistens schon längere Zeit tot ist. Jede Stadt bildet den menschlichen Geist ab. In den Ansichten von Berlin leben die Könige und Baumeister und Bürger weiter. Wenn wir auf die Stadt schauen, lenken sie unsere Augen.

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