Zeitung Heute : Sehen, wie der Prinz wohnte

Bei laufendem Besucherverkehr wird das Schloss restauriert

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Im Hauptgebäude von Schloss Rheinsberg zeigt die Preußische Schlösserstiftung vom 4. August an eine Gedenkausstellung zum 200. Todestag des Prinzen Heinrich. Es ist eine Hommage an den großen Europäer, der lange in seiner Bedeutung verkannt war. Wenige Schritte vom Schloss entfernt, das 1734 bis 1740 von Kemmeter und Knobelsdorff für den Kronprinzen Friedrich errichtet wurde und 1744 als Geschenk an den achtzehnjährigen Heinrich ging, steht die Grabpyramide des Prinzen. Die darauf fehlende Spitze symbolisiert die Unvollkommenheit menschlichen Daseins. Mit der selbst verfassten französischen Grabinschrift beschreibt Heinrich seine eigene Tragik.

Mit erheblichem Aufwand ließ Heinrich das Rheinsberger Schloss und den an einem See gelegenen Park umgestalten und ausschmücken. Ein festes Theater und Kavalierhäuser wurden gebaut, dem Schloss gegenüber setzte der Prinz preußischen Militärs ein Denkmal, die vom König wegen angeblicher oder wirklicher Unfähigkeit verschmäht worden waren. Zum Heinrich-Jubiläum wurden die verloren gegangenen Inschriften aus vergoldeten Bronzebuchstaben wieder hergestellt.

Bei laufendem Besucherverkehr wird im Rheinsberger Schloss ein Saal nach dem anderen restauriert. So kann man endlich auch die kostbar ausgestatteten Wohnräume des Prinzen kennen lernen. Vorsichtig werden seit Jahren schon Überbleibsel aus der Sanatoriumszeit entfernt. Da und dort können abgeschlagene Stuckaturen nur noch anhand von Vorzeichnungen nachgewiesen werden. Wieder hergestellt wurden auch die lange Zeit vernachlässigten Bauten im Park. In den Grotten und Tempeln drückt sich die Sehnsucht der Hofgesellschaft nach der Einheit von Mensch und Natur aus.

Die im südlichen Pavillon eingerichtete Bibliothek des Prinzen erhielt ihre frühklassizistische Fassung zurück. Tapetenfragmente erlauben eine Rekonstruktion der Wandverkleidung, und auch die gemalte Marmorierung auf den Holzsäulen tritt nach Beseitigung grauer Anstriche wieder zutage. Nicht vollständig wieder herstellen lässt sich die prinzliche Büchersammlung. Sie kam nach Heinrichs Tod von den Hohenzollern nach Berlin in die Königliche Bibliothek. Zur Heinrich-Ausstellung leiht die Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz jedoch einige besonders schöne Stücke aus.

Während die Preußische Schlösserstiftung immer noch nach ihren seit dem Krieg vermissten Rheinsberger Gemälden sucht und in die kleine Galerie Bilder aus dem Depot hängen muss, kann sie sich über einen anderen Erfolg freuen: die Wiederherstellung edler Kristallkronleuchter. Die in prinzlicher Zeit im benachbarten Ort Zechliner Hütte gefertigten Lüster gingen nach Heinrichs Tod verloren. Vier originalgetreu nachgebildete Gehänge erhellen jetzt wieder den für Konzerte genutzten Spiegelsaal.

Noch nicht abgeschlossen ist die Wiedergewinnung der Marmorkamine, die nach 1945 einer Zentralheizung des Sanatoriums weichen mussten. In der Uferbefestigung gefundene Reste der Originale und alte Fotos dienen als Vorlagen für die aufwändinge Rekonstruktion. Helmut Caspar

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