Zeitung Heute : Sehnsucht nach Spitzenpositionen

Ein Arbeitskreis aus dreizehn Wirtschaftsverbänden will die Möglichkeiten der Leistungsträger ausreizen

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Anne Niedermann vom Institut für Demoskopie in Allensbach beobachtet einen „grundlegenden Wandel“ gegenüber dem Leistungsbegriff. Leistung werde wieder „eindeutig positiv bewertet – und zwar mit steigender Tendenz“. Die Entwicklung habe Mitte der 90er Jahre eingesetzt, „gerade bei der jungen Generation.“

Niedermanns Ausführungen zum Thema „Leistungsträger – Auslaufmodell oder Garanten des Erfolgs?“ machen dem „Aktionskreis Leistungsträger“ (AKL) viel Freude. Hat er sich doch zum Ziel gesetzt, genau diesen Trend zu verstärken. Der parteipolitisch neutrale Zusammenschluss von dreizehn Verbänden – wie Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte (BDVB), Deutscher Führungskräfteverband (ULA), Vereinigung Cockpit oder Völklinger Kreis e. V. – will die Interessen „leistungsorientierter Beschäftigter vertreten“. Zu seinen Aktivitäten gehören auch die Auseinandersetzung mit der Forderung, mehr Frauen in Führungspositionen vorrücken zu lassen. Helga Lukoschat, Vorstandsmitglied der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft (EAF), erklärte in einer der jüngsten AK-L-Veranstaltungen, dass dies volkswirtschaftlich dringend geboten sei. Eine Gesellschaft, die „leichtfertig oder absichtlich“ darauf verzichtet, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen und Männer zu verbessern, bleibe „weit hinter ihren Möglichkeiten zurück“. Es rechne sich auch betriebswirtschaftlich, denn Unternehmen mit vergleichsweise hohem Anteil von Frauen in Führungspositionen könnten meist höhere Gewinne ausweisen. Doch was genau sind Leistungsträger? Wirtschaftswoche-Autor Christian Deysson stellte unlängst die ironische Frage „Ist Leistung überhaupt tragbar?“. Man trage sie doch nicht, sondern gebe sie „spontan, intelligent überall dort, wo sie vonnöten und sinnvoll einzusetzen ist“. Ganz anders der Top-Performer, wie der „Leistungsträger“ im Englischen genannt wird. Er sehe Spitzenleistung als Prozess statt als Besitzstand. Deysson: „Je mehr man davon weggibt, desto leichter wird einem ums Herz: Schon wieder weniger zu schleppen.“ rch

Mehr Infos im Internet:

www.ak-leistungstraeger.de

www.eaf-berlin.de

www.wiwo.de

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