Zeitung Heute : Sei nett zur CD

Digitale Speichermedien: Wie lange sie halten, hängt vor allem davon ab, wie man mit ihnen umgeht

Kai Kolwitz

Das war es dann also mit dem Geburtstagsmix: Gerade mal anderthalb Jahre alt war die selbst gebrannte Musik-CD, die der Freundin all das sagen sollten, was man selbst nicht in Worte fassen konnte. Und nun? Keinen Ton wollte sich der Player mehr entlocken lassen – CD am Ende, mausetot. Mindestens genauso ärgerlich ist es, wenn die Digitalfotos der Kinder oder der auf DVD gebrannte Kreta-Urlaub nach wenigen Jahren einfach dahin sind.

Der schleichende CD- und DVD-Tod ist kein Einzelfall: Schon nach wenigen Wochen ließen sich etwa in einem Test der Zeitschrift „Chip“ die ersten selbst gebrannten Datenträger nicht mehr abspielen. Und was im beschriebenen Beispiel „nur“ ärgerlich ist, kann an anderen Stellen fatale Folgen haben. Schließlich werden auch Unternehmensdaten häufig auf CDs oder DVDs gebrannt, um sie sicher zu archivieren. Was es bedeuten kann, wenn Konstruktionspläne oder Kundendaten unbenutzbar werden, kann sich jeder leicht vorstellen.

Was also tun, um wichtige Daten möglichst gut über die Zeit zu bringen? Sie auf CD oder DVD zu brennen, ist eigentlich nicht falsch. „Labortests haben gezeigt, dass die Datenträger durchaus 50 bis 60 Jahre halten können“, meint Andreas Küsters von der Firma Ricoh, die die Rohlinge produziert und vertreibt. In dem „Chip“-Test mag man so weit zwar nicht gehen, aber immerhin: Zehn bis 20 Jahre Lebensdauer hält man auch hier im günstigsten Fall für nahezu sicher. Das wäre dann schon mal eine längere Spanne als die meisten Ehen halten.

Aber wie passt das zu den Beispielen vom Anfang des Textes? Antwort: Der Umgang macht den Unterschied. Denn die Lebensdauer der Datenträger hängt extrem davon ab, wie sie aufbewahrt und behandelt werden.

Dunkel, kühl und trocken lagern: „DVDs und CDs sind lichtempfindlich“, erläutert Küsters. UV-Strahlen, wie sie im normalen Tageslicht enthalten sind, zerstören auf Dauer die Oberfläche und sorgen so für schleichenden Datenverlust. Daher sollten die Datenträger stets lichtgeschützt verstaut werden. Nicht ohne Grund sind die Rückseiten der Hüllen in der Regel schwarz. Dass Datenträger nicht gerade in die Sauna gehören, dürfte zwar klar sein – aber auch im feuchten Keller oder im sommerlich aufgeheizten Auto kann das Klima ähnlich sein.

DVDs empfindlicher als CDs

Mechanische Beschädigungen sind der beste Weg, um Datenträger binnen Sekunden unbenutzbar zu machen. Wer seine Silberscheiben bevorzugt ohne Hülle über den Schreibtisch oder durch die Aktentasche fliegen lässt, sollte sich daher nicht wundern, wenn sie nicht mehr funktionieren. Im Mittel sind DVDs übrigens deutlich kratzempfindlicher als normale CDs. Beschädigungen wirken sich außerdem gravierender aus, weil sich bei den DVDs mehr Daten auf weniger Fläche befinden. Zwar bieten einige Hersteller für einen höheren Preis Rohlinge, die als kratzunempfindlich annonciert werden, aber auch die sind nicht unzerstörbar. Also: Wer seine CD oder DVD liebt, tut gut daran, sehr nett zu ihr zu sein.

Vorsicht mit Stiften und Klebestreifen: Weitere Gefahrenquellen sind Fingerabdrücke sowie Beschriftungen und Aufkleber: In vielen Produkten sind Lösungsmittel auf Alkoholbasis enthalten, die auf die Dauer die Kunststoffversiegelung der Datenträger angreifen. Küsters rät daher dazu, nur Stifte zu benutzen, die mit wasserlöslicher Farbe gefüllt sind oder am besten gleich auf Produkte zurückzugreifen, die ausdrücklich als tauglich gekennzeichnet sind. Ein Beispiel dafür ist der „CD-Marker“ von Edding.

Geiz kann teuer werden: Früher konnte man die Qualität eines Rohlings zum Teil an der Farbe erkennen. Denn die gab Auskunft über den in der Schutzschicht verwendeten Kunststoff. Das geht heutzutage leider nicht mehr – höchstens in Einzelfällen lassen sich schlecht verarbeitete Rohlinge noch an den unebenen Rändern erkennen. Aber wer lange archivieren möchte, tut trotzdem gut daran, auf Markenware zu vertrauen. Zwar kann auch ein No-Name-Rohling von der Spindel möglicherweise so lange halten wie ein teureres Produkt von Maxell, TDK, Ricoh oder einem der anderen. Aber sicher ist das nicht – zumal gleich verpackte No-Name- Ware häufig von unterschiedlichen Zulieferern stammt. Noch schwieriger ist es mit der Art der Lagerung. Fast ins Esoterische zielt nämlich ein Rat, der sich an verschiedenen Stellen im Internet finden lässt, sogar auf Seiten amerikanischer Archivare: Angeblich sei es besser, CDs und DVDs liegend statt stehend aufzubewahren. Als Begründung dient dabei, dass Kunststoffe oft über eine gewisse Fließfähigkeit verfügen. Im stehenden Zustand würde die Schwerkraft dazu führen, dass sich immer mehr Material nach unten verlagert und die Scheibe unrund würde. Ob der Hinweis stimmt, ist nicht sicher – schaden kann es aber wohl auch nicht, ihn zu befolgen.

Alle fünf Jahre umkopieren

Das Allersicherste – regelmäßig umkopieren: Im industriellen Bereich, wo bestimmte Unternehmensunterlagen qua Gesetz zehn Jahre lang aufbewahrt werden müssen, wird dazu geraten, die Daten alle fünf Jahre auf einen neuen Rohling zu kopieren. Aber auch technische Standards ändern sich: Wenn die Enkel in 50 Jahren die Marken-DVD aus dem Schrank nehmen – dann kann man eigentlich nur hoffen, dass sie noch einen Player finden, um sie abzuspielen. Da hilft nur das Konvertieren mit entsprechenden Software-Werkzeugen. Denn wichtig ist nicht, ob die Musik als MP3-Song, der Film als SVCD oder das Bild als JPG gespeichert ist, sondern dass man die Daten auch später noch abrufen kann.

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