Zeitung Heute : Sein Herz für Afrika

Axel Vornbäumen

Bundespräsident Köhler ist am Sonntag zur zweiten großen Afrikareise in seiner Amtszeit aufgebrochen. Warum fühlt er sich Afrika so besonders verbunden?


Afrika und Köhler – das ist eine Beziehung, die weit über die von Amts wegen notwendigen, höflich formulierten Lippenbekenntnisse hinausgeht. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit machte der Bundespräsident deutlich, dass ihm der Krisenkontinent besonders wichtig ist. Köhler beließ es nicht bei dieser Ankündigung, er rief die „Partnerschaft für Afrika“ ins Leben, eine Initiative, die Politiker, Wissenschaftler und die Zivilgesellschaft beider Kontinente miteinander ins Gespräch bringen soll. Es ist ein ungewöhnlicher Fokus seiner Arbeit, den der Präsident da unter dem Titel „Armutsbekämpfung“ als gleichberechtigt neben seinen beiden anderen Schwerpunktthemen „Reformen im Inneren“ und „Ausgleich mit den östlichen Nachbarn“ ansieht.

Köhlers Faible für Afrika stammt aus der Zeit, als er als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) mehrfach den Kontinent bereiste und sich das Elend vor Ort anschaute. Aus dieser Zeit rührt auch sein Credo: „Wir müssen lernen und akzeptieren, dass die Menschen in Afrika kulturelle Eigenständigkeit besitzen und dasselbe Recht auf ein Leben in Würde haben wie jeder von uns im Norden. Es gibt keine höhere Wertigkeit für Menschen, bloß weil sie reicher sind.“ Das Wirken des IWF, dem Globalisierungskritiker vorwerfen, für die Fehlentwicklungen in Afrika mit verantwortlich zu sein, sieht Köhler durchaus differenziert. In einem Interview für die Zeitschrift „Internationale Politik“ (IP) sagte der Bundespräsident jetzt, es wäre zwar „völlig falsch, immer wieder die alte Leier hervorzuholen, dass der IWF oder die Weltbank – oder wer immer der beliebteste Sündenbock war – alles falsch gemacht hätte“. Trotzdem räumte er ein, „dass weder Menschen noch Institutionen frei von Irrtümern“ seien. „Nach meiner Erfahrung haben wir in der internationalen Gemeinschaft immer noch zu wenig verstanden, dass wir auf der ganzen Welt wechselseitig voneinander abhängig und aufeinander angewiesen sind.“

Es hängt mit dieser Überzeugung zusammen, dass sich der Bundespräsident auch in der laufenden Debatte um einen möglichen Einsatz der Bundeswehr in Kongo zu Wort gemeldet hat. Köhler ist für den Einsatz – auch „weil es für unsere Zukunft wichtig ist, ein Land wie die Demokratische Republik Kongo nicht im Chaos versinken zu lassen“. Der Präsident hat dabei durchaus auch Deutschlands Rohstoff-Interessen im Auge, nicht aber um den Preis einer weiteren Ausbeutungswelle, die vom Norden über den Süden schwappt. Im IP-Interview sagte Köhler: „Es wäre eine Tragödie für die Menschheit und als Erstes natürlich für die Menschen in Afrika, wenn nach der Sklaverei, nach dem Kolonialismus, nach dem Kalten Krieg jetzt ein neuer Megatrend – nämlich die Nachfrage nach Rohstoffen und Öl – afrikanische Bemühungen um Demokratie, um gute Regierungsführung und Armutsbekämpfung unterlaufen würde.“

Köhler will nun mit seinem zehntägigen Trip ins südliche Afrika signalisieren, dass er diese Bemühungen unterstützt. Das Programm ist mal wieder randvoll, so wie bei seiner ersten Afrikareise im Amt, die ihn nach Sierra Leone, Benin und Äthiopien führte. Schon damals war allen Mitreisenden sein nicht zu erschöpfender Wissensdurst aufgefallen. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass ihm in Madagaskar ein ähnlicher Lapsus unterlaufen dürfte wie dem letzten Bundespräsidenten, der bis dato die Insel besuchte. Es war Heinrich Lübke, der im Februar 1966 bei einem Staatsbesuch das damalige Präsidentenehepaar Tsiranana mit den Worten ansprach: Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frau Tananarive. Lübke hatte sich vertan – Tananarive ist der Name von Madagaskars Hauptstadt.

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