Seit 12 Jahren auf der Heerstraße : Die unendliche Geschichte eines Bauzauns

Seit 2008 wird das Geländer der Stößenseebrücke gesichert. Der Fall hat es jetzt zu "Extra3" geschafft. Hier Kosten, Gründe, Ausblick

Spandauer Wahrzeichen.
Spandauer Wahrzeichen.Foto: Rainer W. During

Na bitte, der legendäre Bauzaun von der Stößenseebrücke hat jetzt Weltruhm (mindestens!) erlangt, und das liegt an der Satire-Sendung „Extra 3“ des NDR. Aber der Reihe nach.

Die Stößenseebrücke befindet sich zwischen den Berliner Ortsteilen Westend (Charlottenburg-Wilmersdorf) und Wilhelmstadt (Spandau). Darüber führt die Heerstraße – Berlins wichtigste Pendlerpiste im Westen der Stadt mit 50.000 Autos und zig BVG-Bussen am Tag.

Und all diese Leute gucken nun schon seit 1,2,3,4,5,6... 12 (!) Jahren auf jene Baugerüste, die auf der Brücke vor sich hinrosten – ohne dass irgendetwas geschieht. Wurde der Zaun vergessen?

Seit zwölf Jahren teilen sich Fußgänger und Radfahrer einen Streifen zwischen Bauzaun und Straße. Den Fotobeweis lieferte Google Streetview schon 2008: Damals fotografierte das Kamera-Auto die Zäune links und rechts der Heerstraße und konservierte die Baustelle für die Ewigkeit.

Mietkosten bisher laut Verkehrssenatorin Regine Günther, Grüne: 33.000 Euro.

[Dieser Text stammt aus dem Spandau-Newsletter vom Tagesspiegel. Dort ist die Heerstraße oft Top-Thema. Den Newsletter gibt's in voller Länge unter leute.tagesspiegel.de]

Was aber ist das Problem? Das Geländer der Brücke ist verrostet und soll repariert werden. Das dauert, weil die Brücke ganz unten auf der Prioritätenliste des Senats steht und außerdem bis 2026 auf der Stößenseebrücke auch noch ein Radweg gebaut werden soll (mit dessen Plänen es ebenfalls Probleme gibt - sogar 60 Bäume wurden gefällt, ohne dass anschließend etwas geschah: hier die Rechnung des Senats).

Hier übrigens die Brücke mal von unten - lohnt sich. Tolles Bauwerk!
Hier übrigens die Brücke mal von unten - lohnt sich. Tolles Bauwerk!André Görke

Jetzt wird aber nicht das Geländer repariert, stattdessen muss ein Provisorium her: ein neuer, aber fester Zaun auf der Brücke, der das Geländer dahinter schützt. Irgendwann, demnächst, der Termin dafür ist nicht bekannt.

[12 Bezirke, 12 Tagesspiegel-Newsletter und schon über 220.000 Abos: Suchen Sie sich Ihren Bezirk raus: leute.tagesspiegel.de]

Im Spandau-Newsletter und im „Tagesspiegel Checkpoint“ wurde schon darüber gescherzt. Und jetzt hat es Berlins ewiger Bauzaun auch in die TV-Satiresendung „Extra3“ geschafft als Objekt genüsslich-gemeiner Witze - hier das Video bei Youtube.

„Das ist eine Satire-Sendung. Die interessiert der Gag deutlich mehr als alle Fakten“, sagt Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverwaltung, der in der Sendung zitiert wird. „Das Interview dazu habe ich im Februar 2020 gegeben.“ Der Witz aber bleibt aktuell.

Und schuld daran ist nur die SPD (und Autofahrer)

Bemerkenswert ist übrigens die Sorge des Senats: Schuld sind demnach die Autofahrer. Der Zaun steht auf der Brücke, weil der Senat fürchtet, dass Autofahrer aus dem Stau heraus auf den Bordstein rumpeln und den Gehweg auf der Brücke benutzen, um fix rechts am Stau vorbeifahren zu können. Allerdings wird in Spandau gerätselt, ob ernsthaft jemals ein Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger oder BVG-Bus auf dieser Brücke von einem Auto auf dem Bürgersteig überholt wurde, der am kilometerlangen Stau vorbeigefahren ist.

„Das ist kein Ruhmesblatt“, sagt Thomsen und wird dann generell: „Dass aber Prioritäten gesetzt werden müssen bei einem derartigen Sanierungsrückstand, der durch die Konsolidierungsjahre entstanden und verschärft worden ist, versteht sich von selbst.“

Schöne Grüße also an die SPD und den früheren Verkehrssenator Andreas Geisel. Der hatte im Tagesspiegel einst angekündigt, dass die „notwendigen Maßnahmen bis Ende 2016 erfolgen“. Vielleicht meinte der Senat damals aber auch 2026.

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