Zeitung Heute : Seitenhieb vor dem Highlight

Der Tagesspiegel

Berlin. Er lässt sich nicht gern vor den Karren spannen. Ob er denn, wurde Reiner Calmund vom DFB-Pressesprecher gebeten, noch ein wenig über den Wert des Endspiels im DFB-Pokal sagen möchte. Calmund mochte. Doch ehe der schwergewichtige Manager Bayer Leverkusens auf der gestrigen Pressekonferenz von „der großen Tradition“ und dem „gesellschaftlichen Highlight“ sprach, konnte er sich einen Seitenhieb Richtung DFB nicht verkneifen. Warum, meinte Calmund, müssten die Bundesligisten schon in den ersten beiden Runden mitmachen, das sei doch eine unzumutbare Belastung. Für Leverkusen diesmal besonders. Bei der Konkurrenz von Champions League und Deutscher Meisterschaft gerät der DFB-Pokal schon ein wenig in den Hintergrund. Auch wenn das Finale den beteiligten Klubs Bayer Leverkusen und Schalke 04 jeweils 1,5 Millionen Euro beschert. Das Olympiastadion ist für den 11. Mai längst ausverkauft.

Doch wer will Calmund verübeln, dass ihm derzeit weniger Berlin als mehr Manchester und Nürnberg durch den Kopf gehen. Ob er denn bei Nürnberg, wo die Leverkusener am Sonnabend zu Gast sind, auch an Unterhaching denke, wurde Calmund gefragt. Zur Erinnerung: In Unterhaching verspielten die Leverkusener vor zwei Jahren den schon sicher geglaubten Titel. „Das ist doch alles Schmarrn. An Unterhaching denkt doch bei uns keiner“, sagte Calmund und blickte dabei so treuherzig drein, dass man ihm durchaus hätte glauben können.

Und doch sind sie in Leverkusen nach der letzten Niederlage gegen Bremen ein wenig dünnhäutig geworden. Auch Klaus Toppmöller, selbst wenn er sich äußerlich gelassen gibt. In Manchester müsse sich eben seine Mannschaft das Selbstvertrauen zurückholen, sagte Leverkusens Trainer. Und als Deutscher Meister werde man dann im Berliner Finale auch den Cup holen. „Jetzt sind wir dran“, glaubt Toppmöller. Wobei er das Folgerecht daraus ableitet, dass Bayer in der laufenden Bundesliga-Saison gegen Schalke einmal unentschieden gespielt und einmal verloren hat.

Huub Stevens drückt den Leverkusenern die Daumen. Nicht für das Berliner Finale, nein, so weit geht des Trainers Sympathie für Bayer nun doch nicht. Schalkes Trainer hofft, dass Leverkusen über den Meistertitel so gesättigt ist, dass sich am 11. Mai der Ehrgeiz in Grenzen hält. Sonst könnte Stevens im nächsten Jahr im Endspiel einen neuen Anlauf nehmen. Mit Hertha BSC, wie Schalkes Vorstandsmitglied Andreas Müller glaubt: „Stevens ist doch eine kleine Garantie für Hertha, ins Finale zu kommen.“

Als Sieger steht Berlin schon jetzt fest. Nach Angaben von Otto Höhne, dem Präsidenten des Berliner Verbandes, betrage beim Finale der wirtschaftliche Gewinn für die Stadt durch die Zehntausenden von Besuchern rund zehn Millionen Euro. Berlins Finanzsenator Sarrazin wird es gern vernehmen. Klaus Rocca

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