Zeitung Heute : Selbst der Fuchsie wird es jetzt zu bunt

Immer mehr Sorten vertragen zwar die volle Sonne, doch in heißen Sommern wünschen sie sich Schatten

Einen Sonnenschutz brauchen viele neuere Fuchsien-Sorten gar nicht mehr. Wichtig ist aber viel Feuchtigkeit. In heißen, trockenen Sommern leiden die Pflanzen daher oft sehr und sind anfälliger für Schädlinge. Hier hilft tägliches Übersprühen. Foto: picture-alliance/ZB
Einen Sonnenschutz brauchen viele neuere Fuchsien-Sorten gar nicht mehr. Wichtig ist aber viel Feuchtigkeit. In heißen, trockenen...Foto: picture-alliance / ZB

Fuchsien (Fuchsia) sind schon lange beliebte Pflanzen für Ampeln und Balkonkästen. Neben den geringen Ansprüchen ist die herrliche Blütenfülle ein Grund hierfür. Vor allem die Vielfalt der Formen und Farben – von reinem Weiß über Rosa bis hin zu Rot und Orange in allen denkbaren Schattierungen – macht Fuchsien vom Frühsommer bis zum Herbst zum attraktiven Blickfang.

Allerdings dauerte es nach der Entdeckung der Fuchsie durch den Pater Charles Plumier im Jahre 1695 noch eine ganze Weile, bis sie ihren Siegeszug durch die Gärten antraten. Nach den ersten Züchtungen, die durch das Einkreuzen von Fuchsia magellanica 1832 in England entstanden, begann Mitte des 19. Jahrhunderts schnell die Züchtungsarbeit. Die ersten Sorten kamen vor allem aus England und Frankreich, später auch aus Belgien und Deutschland. Ende des 19. Jahrhunderts gab es bereits über 500 Sorten mit unterschiedlichen Blütenfarben und -formen. Der erste Weltkrieg setzte dieser Euphorie ein Ende – bis 1929 die Fuchsienleidenschaft erneut aufflammte, diesmal in Nordamerika.

Dort wurde die erste Fuchsiengesellschaft der Welt, die American Fuchsia Society gegründet, die eine Renaissance einleitete und auch sämtliche Neuzüchtungen registrierte. Die Zahl der Sorten wuchs rasant und 1936 wurden bereits 1900 gezählt. Heute gibt es nach verschiedenen Quellen etwa 10 000 Sorten, von denen nur wenige zum allgemeinen Sortiment gehören. Wer sich intensiver mit Fuchsien beschäftigen will, kann sich der Deutschen Fuchsiengesellschaft anschließen oder während zahlreicher Ausstellungen Kontakt mit Fuchsienfreunden aufnehmen (siehe Kasten).

Wer sich für diese Pflanzen entscheidet, kann nicht nur zwischen Sorten mit weißen, roten, blauen, rosa- oder orangefarbenen Blüten in allen möglichen Kombinationen und Größen wählen, sondern findet auch bezüglich der Wuchsform Unterschiede. Neben den aufrecht wachsenden Sorten gibt es eine stattliche Anzahl mit überhängenden Trieben, die sich besonders gut für Ampeln und Balkonkästen eignen.

Allgemein bekannt ist, dass Fuchsien halbschattige Plätze bevorzugen und deshalb gern für Balkons an der Nordseite verwendet werden. Es gibt inzwischen zunehmend Sorten, die zumindest einen Teil des Tages der vollen Sonne ausgesetzt werden können. Solche Sorten eignen sich für Ost- oder Westlagen. Einfluss haben auch die Wasserversorgung und das Alter. Während jüngere Pflanzen nicht so anpassungsfähig sind, können mehrjährige Pflanzen bei ausreichender Wasserversorgung auch ganztags sonnig stehen.

An das Substrat stellen Fuchsien keine großen Ansprüche, jedoch sollte es aus einer lockeren, humosen Mischung mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6,5 bestehen. Alle Fuchsien lieben ein gleichmäßig feuchtes Substrat und eine Luftfeuchtigkeit von über 50 Prozent. In heißen, trockenen Sommern leiden die Fuchsien daher oft, sind nicht mehr so vital und werden leichter von Schädlingen befallen. Tägliches Übersprühen ist angeraten, bevor die Sonne auf die Pflanze trifft. Obwohl Fuchsien hinsichtlich der Wasserqualität tolerant sind, empfiehlt sich zum Gießen kalkfreies Wasser. Zum Entkalken von hartem Leitungswasser bietet sich eine Handvoll Torfmull an, die in den Eimer gegeben wird und nach einer Weile Wirkung zeigt.

Für den Blühreichtum der Pflanzen ist ein ausreichender und gleichmäßiger Nährstoffnachschub wichtig. Etwa zwei Wochen nach dem Einpflanzen erfolgt die erste Gabe eines handelsüblichen Volldüngers, die im wöchentlichen Abstand wiederholt wird. Ende August stellt man das Düngen ein und drosselt ab Mitte September die Wassergaben. So reifen die Zweige gut aus und sind fit für das Winterquartier. Leider behandeln die meisten Blumenfreunde Fuchsien als einjährige Sommerblumen, die vom Frühjahr bis zum Herbst den Balkon schmücken und dann in den Müll wandern. Viel zu selten pflegt man sie in Dauerkultur, weil keine geeigneten Überwinterungsräume vorhanden sind. Wer sie bei etwa fünf Grad, maximal zehn Grad Celsius, überwintern und den Wurzelballen nicht völlig austrocknen lässt, wird über viele Jahre Freude daran haben.

Möchte man Fuchsien vermehren, lassen sich im August Stecklinge schneiden. Bis zum Frühjahr haben sich die Jungpflanzen gut entwickelt und blühen reich. Empfehlenswert ist, Anfang August einige für die Vermehrung vorgesehene Pflanzen zurückzuschneiden. Sie bilden schnell neue Triebe ohne Blütenansätze, von denen man Stecklinge mit drei bis vier Blattpaaren gewinnen kann. Der Schnitt erfolgt dicht unter einem Blattpaar, von dem man anschließend die Blätter entfernt. In einem Gemisch aus Torfmull und Sand zu gleichen Teilen bilden sich bei Temperaturen zwischen 16 und 18 Grad Celsius in etwa drei Wochen Wurzeln. Voraussetzung ist allerdings, dass die Stecklinge nicht welken und an einem schattigen Standort stehen. Über den Winter sollte man die Pflanzen am hellsten Platz bei Temperaturen nicht über 20 Grad Celsius aufstellen. Die Jungpflanzen wachsen im Winter am hellen Fenster und bei regelmäßigen Wassergaben willig heran. Im Frühjahr schneidet man die langen, dünnen Triebe mehrmals zurück, verabreicht ab März regelmäßige Gaben eines Volldüngers und hat dann im Mai gut verzweigte, kräftige Jungpflanzen.

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