Zeitung Heute : Selbst ist der Mann

In drei ungewöhnliche Geschäftsideen steckten Schüler und Studenten viel Arbeit - mit Erfolg

Dagny Lüdemann

Vor acht Jahren baute Oliver Enderlein einen Carport für seine Mutter. Nein, damals hatte der 14-Jährige keine besondere Leidenschaft für diese hölzernen Unterstände, die Autos vor Wind und Wetter schützen – er durfte ja noch nicht einmal Auto fahren. Auch von Holzbau hatte er kaum Ahnung – und dementsprechend fiel der selbst gezimmerte Carport „ziemlich laienhaft“ aus, sagt er heute.

Doch dann gewann Oliver für die Gestaltung der fiktiven Internetseite www.carporte.de einen Schulwettbewerb. „Auf einmal meldeten sich potenzielle Käufer, weil sie die Phantasie-Seite entdeckt hatten und ein Carport bestellen wollten.“

Zu den ersten Abnehmern fuhr er mit dem Mofa – und baute ihnen selbst ein Carport. Es lief so gut, dass er schon bald Leute einstellen und eine Firma gründen musste. „Da ich erst 16 war, musste meine Mutter für mich bürgen – davon war sie gar nicht begeistert,“ sagt Enderlein. Heute ist die Mutter stolz auf ihren Sohn, der mit 22 Jahren die Dacapo Holzbau GmbH mit 50 Mitarbeitern führt. Als deutscher Marktführer im Carport-Bau mit Kunden in ganz Europa und in Dubai wird die Firma in diesem Jahr geschätzte sechs Millionen Euro Umsatz machen.

„So etwas klappt nur, wenn man begeistert von der Idee ist und es einem nicht ums Geld verdienen geht“, sagt Enderlein. „Die Schule und meine Ausbildung zum Offsetdrucker haben darunter gelitten, dass ich ständig mit der Firma beschäftigt war.“ Aber warum noch Offset-Drucker lernen, wenn der Laden schon läuft? „Ich wollte nie auf den Bau – damals wusste ich ja noch nicht, dass ich auch direkt Chef werden kann“, sagt Enderlein und lacht. Trotz 16–Stunden-Tag, geht er noch ab und zu in die Disko. Mit 18 zog er in ein eigenes Haus mit 350 Quadratmeter Wohnfläche – und Carport. Und was ist das Geheimnis des Erfolgs? „Das Internet“, sagt Enderlein. „Im Netz kann jeder Geld machen, er muss nur wissen, wie.“

Das dachten sich auch die BWL-Studenten Tim Karußeit und Sebastian Uhlig. Die beiden überließen ihren Erfolg nicht dem Zufall. „Wir haben schon während des Studiums gezielt nach einer Marktlücke gesucht – und eine gefunden.“ Sie klaffte zwischen teuren Ölgemälden und billigen Kunstdrucken, denn „viele Hotels, Firmen oder Arztpraxen suchen dekorative Kunst für Empfangs- und Konferenzräume oder Wartezimmer“, sagt Karußeit. „Sie wollen echte Ölgemälde, die zur Inneneinrichtung passen und erschwinglich sind.“ Und das gibt es jetzt bei www.neos-art.de.

Gemalt werden die Auftragsarbeiten von Künstlern in Südamerika und Asien. Erste Kontakte hat Karußeit, heute 28, schon im Studium hergestellt, während eines Praktikums in Buenos Aires. „Von dort aus bin ich nach Costa Rica und Brasilien gereist und habe weitere Auftragsmaler gesucht.“ Sein gleichaltriger Freund Sebastian Uhlig war lange in Asien und hat dort Künstler ausfindig gemacht. Inzwischen läuft das Geschäft so gut, dass Uhlig seinen Job bei einer Unternehmensberatung gekündigt hat, um nur noch für die Neos Art GmbH zu arbeiten. „Und ich habe gerade gestern ein Jobangebot ausgeschlagen“, sagt Karußeit. „Meine Doktorarbeit habe ich abgegeben und jetzt werde ich fünf Tage in der Woche in unserem Kölner Büro sein.“

Auch Michael Reinicke, 30, ist mit seiner Doktorarbeit in Wirtschaftsinformatik fertig. Einen Job muss er nicht mehr suchen, denn er hat sich längst einen geschaffen, bei www.mitfahrgelegenheit.de. Vor fünf Jahren gründete er das Portal zusammen mit drei Freunden. „Nächte lang haben wir mit Pizza und Cola im Rechenzentrum der Uni Münster gesessen und eine Datenbank programmiert, in die man alle Mitfahrgelegenheiten verschiedener Unis einspeisen konnte“, erinnert sich Reinicke. Es gab zwar schon ähnliche Internet–Seiten, aber das neue Portal war benutzerfreundlicher. „Heute haben wir 1,2 Millionen Nutzer im Monat.“ Reinickes Tipp für Neugründer: „Man braucht gar keine neue Idee, sondern kann auch etwas Bestehendes besser machen.“ Aber niemand sollte „zu blauäugig“ in die Selbständigkeit gehen, sagt er. „Man muss einen finanziellen Puffer haben.“

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