SELBSTANZEIGE : Die Strafe wird erlassen, die Steuern nicht

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Das Bundesfinanzministerium empfiehlt allen Steuersündern die Selbstanzeige, um straflos aus der Steuerhinterziehung herauszukommen. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht, warnt Wolfgang Wawro, Präsident des Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg. Eine Selbstanzeige wirkt nämlich nur dann strafbefreiend, wenn die Tat noch nicht entdeckt ist und der Steuerhinterzieher davon ausgehen konnte, dass die Steuerfahndung ihn noch nicht im Visier hat. Bei den Liechtensteiner Fällen haben die Fahnder jedoch angeblich bereits umfangreiche Unterlagen, daher ist es keinesfalls sicher, dass die Selbstanzeige hier zur Straffreiheit führen würde.

Dennoch rät Wawro dazu, diesen Schritt zu gehen. „Die Strafverfolgungsbehörden berücksichtigen das auf jeden Fall als strafmildernd“, weiß der Berliner Steuerberater. Das ist nicht unerheblich, denn für Steuerhinterziehung drohen bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe.

Wer eine Selbstanzeige machen möchte, sollte einige Regeln beachten. So sollte man statt von einer „Anzeige“ lieber von einer „Nacherklärung“ sprechen, um sich zumindest sprachlich von der Straftat zu entfernen. Das Ganze geschieht schriftlich, per Brief an das Finanzamt.

Vorher sollte man jedoch sicherstellen, dass genug Geld auf dem Konto vorhanden ist. Denn die Selbstanzeige wirkt zwar strafbefreiend, die hinterzogenen Steuern muss man aber nachzahlen – und zwar mit einem Zinszuschlag von sechs Prozent pro Jahr. Und: „Kann man das Geld dann nicht auf einen Schlag zahlen, wirkt die ganze Selbstanzeige nicht“, warnt Wawro. hej

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