Zeitung Heute : Selbstkontrolle ist alles

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Wie will man sich verbessern, wenn man nicht weiß, wo man steht und wohin man will? In anderen Staaten werden schon lange Maßnahmen ergriffen, die eine gute Qualität

der Schulen sichern sollen . So gibt es etwa in den USA seit

Jahrzehnten Programme wie NAEP (National Assessment of Educational Progress), in denen die Erträge des Lernens in der Schule überprüft werden. In manchen Ländern,

so auch in England, Frankreich oder den Niederlanden, existieren für die Schulen klare Zielvorgaben (Bildungs-

standards), die regelmäßig getestet werden. Üblich sind auch Schulinspektoren, die den Schulen Hinweise darauf geben, wie sie besser werden können.

LEISTUNG MESSEN

Die deutschen Bundesländer beschlossen erst 1997,

die deutschen Schulen dem internationalen Vergleich zu stellen (Konstanzer Beschluss). Seither nimmt Deutschland an mehreren internationalen Studien teil.

Timss

Die erste große internationale Studie, an der Deutschland in Jahrzehnten teilnahm, war Timss. Seit 1997 ist bekannt, dass deutsche Siebt- und Achtklässler in Mathematik und den Naturwissenschaften international nur mittelmäßig sind. Deutschland wird sich auch an der Timss-

Untersuchung im Jahr 2007 beteiligen.

Pisa

Die deutschen Länder haben sich an den ersten drei

Zyklen der internationalen Pisa-Studie in den Jahren 2000, 2003 und 2006 beteiligt. Auch am zweiten Zyklus in den Jahren 2009, 2012 und 2015 wollen die Länder teilnehmen. Pisa misst Schulleistungen von 15-Jährigen.

Pirls / Iglu

Der Stand von deutschen Grundschülern am Ende der vierten Klasse ist erstmals im Jahr 2001 in der internationalen Pirls- (deutsch: Iglu) Studie abgefragt worden. Auch an der neuen Pirls-/Iglu-Untersuchung im Jahr 2006 wird Deutschland sich beteiligen.

BILDUNGSSTANDARDS

Ebenfalls nach dem Pisa-Schock beschlossen die Kultus-

minister, gemeinsame Zielvorgaben einzuführen. Diese Bildungsstandards benennen Lernziele in einigen Kernfächern , die die Schüler erreichen müssen. Im Unterschied zu den Lehrplänen bestehen Standards nicht in einer Auflistung von Unterrichtsinhalten („Input-Orientierung“), sondern

legen Kompetenzen fest, die Schüler in einer Klassenstufe erreicht haben müssen („Output-Orientierung“). Damit die Lehrer ihre Schüler überprüfen können, entwickeln die Bildungsforscher am Institut zur Qualitätsentwicklung im

Bildungswesen (IQB) der Humboldt-Universität hunderte von Testaufgaben für die ganze Republik . Ab 2009 werden die Schüler länderübergreifend überprüft und zwar in der dritten Klasse, in der achten Klasse in den Hauptschulen und der neunten Klasse in Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien. Kritiker etwa der GEW beklagen, dass die

Kultusminister sich nicht auf Mindeststandards geeinigt haben, die die Schulen zwingen würden, ihre Schüler auf ein bestimmtes Niveau zu bringen. Es wurden lediglich

Regelstandards definiert. Das aber beinhalte, dass diese Durchschnittstandards auch unterlaufen werden können.

VERGLEICHSARBEITEN

In landesweiten Vergleichsarbeiten überprüfen die Bundesländer bereits, ob die Standards erreicht werden.

ZENTRALABITUR

Für mehr Vergleichbarkeit von Leistungen sollen auch Zentralabiture in den Ländern führen, bei denen Abiturienten an allen Schulen die gleichen Aufgaben gestellt bekommen. Bis auf Rheinland-Pfalz haben alle Bundesländer das Zentralabitur schon eingeführt oder starten bis 2008.

SCHULINSPEKTOREN

Einige Bundesländer haben inzwischen Schulinspektoren eingeführt (wie Berlin, Brandenburg, Bayern oder Niedersachsen) oder werden sie in der nächsten Zeit einführen. Hamburg, Thüringen und Baden-Württemberg wollen keine Schulinspektoren einführen.

RECHENSCHAFT ABLEGEN

Nationale Bildungsberichte sollen in Deutschland eine systematische Gesamtschau über wichtige Daten und Entwicklungen im deutschen Bildungswesen geben. Ein erster provisorischer Bericht der Kultusminister erschien 2003. Der neue nationale Bildungsbericht ist soeben veröffentlicht worden – darin sagen die Länder jedoch nicht, welche Maßnahmen sie bislang in welchem Umfang ergriffen haben.akü

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