Zeitung Heute : Selbstversuch: Watching Max im World Wibe Web

Ulrike Simon

Mit wem er denn so lange telefoniere, er solle lieber zusehen, dass er zeitig nach Hause kommt, musste sich "Max"-Chefredakteur Jan-Eric Peters nach dem Gespräch mit dem Tagesspiegel von seiner Frau anhören. So ist es halt, wenn sich die gesamte "Max"-Redaktion, inklusive Chefredakteur Peters, von Kameras live im Internet beobachten lässt. Da lässt dann auch die Lebensgefährtin mal Kontrolle statt Vertrauen walten.

Noch bis Freitag spielt die Zeitschrift "Max" im Internet "gläserne Redaktion", lässt sich rund um die Uhr von Kameras beobachten. Aus einer Bierlaune heraus kam die Redaktion der Zeitschrift "Max" aus der Verlagsgruppe Milchstraße auf die Idee, das "Big Brother"-Experiment im Selbsttest durchzuführen. Zwar nicht 100, aber zumindest zehn Tage lang. Ein Sponsor für die Kameras war bald gefunden, auch mit dem Betriebsrat wurden sämtliche Eventualitäten abgeklärt. So einigte man sich darauf, keine Bewegt-Bilder ins Netz zu stellen, sondern Standfotos, die alle 15 Sekunden aktualisiert werden. Nur zwei Kollegen verweigerten sich - zunächst. Nachdem sie jedoch hörten, welchen Spaß die anderen mit dem neuen Büro-Spielzeug haben, wurden weitere Kameras geordert.

Was ist anders, seitdem das elektronische Auge die Arbeit der Redakteure überwacht? Die Disziplin halte sich derzeit in Grenzen, seufzt "Max"-Chef Peters. Im (Arbeits-)Alltag der "Max"-Redakteure ereignen sich in den letzten Tagen ganz ungewohnte Dinge. Selbst jene Kollegen, die als introvertiert gelten, fingen plötzlich an, vor der Kamera Faxen zu machen, wundert sich Peters.

Besonders erfreulich war für einige, dass sich plötzlich längst verschollen geglaubte Freunde wieder meldeten. Die hatten sich mal eben auf den "Max"-Seiten umgesehen und nutzten die Gelegenheit, mal wieder ein Lebenszeichen zu geben. Dennoch sind die meisten froh, dass die Beobachterei bald ein Ende hat. Dann kann Julia Kossmann, Chefin vom Dienst, auch wieder ihr Warnschild vom Computer abnehmen. Das half ihr, bei der Arbeit nicht zu vergessen, dass sie unter Beobachtung steht.

Ende dieser Woche muss das April-Heft abgeschlossen sein, außerdem steht der Umzug der Redaktion vom Verlagshaus in die Innenstadt Hamburgs an. Am Freitag wird der User die "Max"-Macher also noch beim Packen von Kartons zusehen dürfen.

Aber was denkt die "Max"-Redaktion über das Vorbild aus dem Fernsehen? Für Peters liegt der Fall klar auf der Hand: "Leute, mit denen ich im wahren Leben nichts zu tun haben will, muss ich mir nicht auch noch im Fernsehen anschauen. Big Brother auf RTL 2 ist geistlos, witzlos und langweilig."Ein Click unter www.max.de/maxevents - und sie sind drin

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