Zeitung Heute : Senat setzt Waldrodung in Tegel aus

Der Tagesspiegel

Tegel. Die geplante Fällung von bis zu 10 000 Kiefern in der Einflugschneise des Flughafens Tegel bleibt nach heftigen Protesten vorerst ausgesetzt. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat gestern die zunächst unterbliebene Beteiligung der Naturschutzverbände eingeleitet.

Zuvor hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) damit gedroht, beim Verwaltungsgericht eine Einstweilige Anordnung gegen den Kahlschlag zu erwirken. Man werde die Entscheidungsunterlagen, die der Senat nunmehr kurzfristig zur Verfügung stellen will, genau studieren, sagte BUND-Sprecherin Carmen Schultze. Wenn der Flugverkehr tatsächlich beeinträchtigt sein sollte, müsse genau geprüft werden, ob ein Eingriff im geplanten Maße erforderlich ist oder die Fällung einzelner Bäume ausreicht. Auf jeden Fall werde man auf Ersatzmaßnahmen bestehen. Wie berichtet, hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Fällaktion erst wenige Stunden vor dem Beginn der Arbeiten am Dienstagmorgen in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Weder die Naturschutzverbände noch das Bezirksamt Reinickendorf waren vorab informiert worden.

Vorgesehen war, bis zum 31. März insgesamt fünf Hektar Wald in der Jungfernheide an der Bernauer Straße zu roden. Der Bereich sollte in eine offene Strauch- und Wiesenlandschaft umgewandelt werden. Aufgrund der einsetzenden Proteste war die Rodung am Mittwoch zunächst mit der Begründung abgebrochen worden, man wolle prüfen, ob bereits brütende Tiere gefährdet sind. Nach Ansicht der Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling stellte die Rodung zum gegenwärtigen Zeitpunkt einen Verstoß gegen das Naturschutzgesetz und die EU-Vogelschutzverordnung dar. Bereits 1998 hatte man den Senat auf die in den Schutzbereich hineinwachsenden Bäume hingewiesen, sagte der Sprecher der Deutschen Flugsicherung, Gerhard Schanz. In diesem Frühjahr steht die nächste Vermessung der Sicherheitszone an. Wird dann festgestellt, dass die vorgeschriebenen Freiräume nicht mehr gewährleistet sind, droht dem Regierungsflughafen Tegel eine Rückstufung der Blindlandekategorie für Anflüge aus Westen. Aufgrund der vorherrschenden Windrichtung machen sie allerdings nur etwa ein Viertel aller Landungen aus. Extreme Witterungsbedingungen herrschen meist nur für wenige Stunden pro Jahr. du-

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