Zeitung Heute : Servieren bei den Scheichs

An der Emirates Academy in Dubai werden Ausländer zu Top-Managern für Luxushotels ausgebildet

Alexander Visser

Die Empfangshalle des Burj al Arab Hotels ist auf Überwältigung angelegt. Baumhohe goldene Säulen stützen die Balkone, die sich wabenförmig über 80 Stockwerke in die Höhe türmen. Eine Touristengruppe legt staunend die Köpfe in den Nacken. Ein Butler geleitet ein ebenso beeindrucktes junges Paar zu den Hotellifts, das Reisebüros als „einziges Sieben-Sterne-Hotel der Welt“ anpreisen, obwohl die Skala bei fünf aufhört. Die Berlinerin Julia Volkmer kommt nicht zum Staunen her, sondern zum Arbeiten. Die boomende Tourismusbranche der Wüstenmetropole Dubai hat die angehende Hotelmanagerin in das Emirat am Persischen Golf gelockt.

Das Gastgewerbe ist eine der Schlüsselbranchen des Scheichtums, das zu den Vereinigten Arabischen Emiraten gehört. Die sinkenden Einnahmen aus dem Ölgeschäft wurden erfolgreich in Hotelanlagen, Flughäfen, Handels- und Logistikzentren investiert. Das Burj al Arab ist das Symbol des arabischen Wirtschaftswunders. Es gehört zur Jumeirah-Gruppe, die acht Häuser umfasst und in Europa und Asien weiter wachsen will. Den dafür benötigten Management-Nachwuchs zieht der Konzern in einer 2001 gegründeten Hotelmanagement-Akademie heran.

„Wir bilden hier das künftige Top-Management aus“, sagt Ron Hilvert, Leiter der Emirates Academy. „Die Studenten sollen in die Lage versetzt werden, später einmal ein Hotel der Spitzenklasse zu leiten.“ Aber zunächst heißt es, die Grundlagen zu erlernen.

Julia Volkmer steht hinter der Theke des Ausbildungsrestaurants der Akademie und mischt exotische Fruchtcocktails. Jeder Handgriff muss sitzen, denn die 20-Jährige wird beobachtet. Heute ist Prüfungstag, die Studenten müssen ein Fünf-Gänge-Menü organisieren. Jeder Fehlgriff wird von den Ausbildern notiert und führt zu Punktabzügen. „Noch wichtiger als der akkurate Ablauf ist die richtige Einstellung“, sagt Küchenchef Andreas Beißer, der ebenfalls aus Deutschland in die Wüste gekommen ist. „Es nützt nichts, wenn jemand perfekt servieren kann, aber nicht in der Lage ist, ein paar freundliche Worte mit den Gästen zu wechseln.“

Die Mischung der Studenten ist so bunt wie am Umsteigeterminal eines internationalen Großflughafens. Rund 40 Prozent davon kommen aus Europa, auch viele Araber, Inder, andere Asiaten und Afrikaner schreiben sich ein. Schulsprache ist Englisch. „Die Internationalität gefällt mir besonders gut“, sagt Julia Volkmer. Das wichtigste Argument für ihre Bewerbung war die exklusive Kooperation der Akademie mit der Ecole hôtelière de Lausanne, die in der Branche einen Spitzenruf genießt. Die Studiengebühren sind mit rund 6500 Euro pro Semester niedriger als viele vergleichbare europäische Schulen, und die Berufsaussichten sind glänzend: Dutzende neue Luxushotels werden derzeit in Dubai gebaut.

Aber der Erfolg wird auch hier niemandem geschenkt. Die Regelarbeitszeit in Dubai beträgt 48 Stunden, das Wort Wochenende kommt im Sprachschatz der meisten Arbeitgeber nicht vor. „Man kommt zum Arbeiten her, nicht zum Leben“, sagt Küchenchef Beißer. Das gilt natürlich vor allem für die indischen und pakistanischen Bauarbeiter oder Putzfrauen, die das Wirtschaftswunder erst möglich machen und beim geringsten Aufbegehren gegen die Arbeitsbedingungen abgeschoben werden. Aber auch europäische Manager verlieren ihre Aufenthaltsgenehmigung, sobald sich der Arbeitgeber von ihnen trennt. Die unwirtliche Umgebung macht vielen zu schaffen. So auch die Hitze. In klimatisierten Taxis bewegt man sich vom Arbeitsplatz zum Einkaufszentrum. Das Klima ist nur für sonnenbadende Touristen erträglich. „Am meisten fehlt mir, dass man hier keinen Spaziergang durchs Grüne machen kann“, sagt der 19-Jährige Akademiestudent Kai Schukowski aus Pankow.

Oliver Parche weiß, dass sich viele mit falschen Erwartungen nach Dubai bewerben. Der stellvertretende Leiter der Außenhandelskammer in Dubai nennt sie „Glücksritter“. „Neulich haben wir von einem Deutschen gehört, der im Auto übernachten musste, da er seinen Job und damit auch seine Wohnung verloren hatte“, sagt Parche. Fernsehbilder aus Dubai würden den falschen Eindruck einer Märchenwelt vermitteln. Kein Wunder, dass Geschäftemacher dies ausnutzen wollen: Die Kammer warnt auf ihrer Website vor vorgeblichen Arbeitsvermittlern, die von Bewerbern Visagebühren einziehen und dann nie wieder von sich hören lassen.

Julia Volkmer glaubt, dass sie mit ihrer Entscheidung für einen Karriereeinstieg in Dubai richtig liegt. Aber nach der dreijährigen Ausbildung will sie weg: „Am liebsten möchte ich nach New York.“

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben