SEVENTIES-REVIVALGonzales : Weich ist das neue Hart

Jörg W er

Billy Joel, Bee Gees, Barry Manilow, Earth, Wind & Fire, George Benson – bei den Grammys war Softpop 1978 der große Abräumer. Unser liebster Pianoberserker Gonzales listet die damaligen Preisträger im Booklet seiner programmatisch „Soft Power“ betitelten neuen CD auf und mogelt sich selbst in der Kategorie „Best Producer of the Year“ in den erlauchten Kreis. Eine durchaus berechtigte Anmaßung.

Der vor fünf Jahren von Berlin nach Paris weitergezogene Kanadier hat nicht nur Chanson-Altmeister Charles Aznavour und French-Pop-Legende Jane Birkin produziert und die wunderbare Feist mit Songs versorgt, sondern auch mit dem Album „Solo Piano“ verblüfft. Darauf verarbeitete der klassisch ausgebildete Pianist seine Einflüsse von Satie bis Debussy. „Soft Power“ macht seinem Titel alle Ehre, denn was Gonzales hier an watteweichen Harmonien, buttrigen Arrangements und sämigen Discofox-Beats abliefert, hält dem Feel-Good-Vergleich mit oben aufgezählten Seventies-Größen locker stand. Natürlich ist bei einem notorischen Spaßvogel wie Gonzales der Ironieverdacht nicht völlig auszuräumen. Aber allein der leidenschaftlich betriebene Aufwand und das liebevolle Sentiment, mit dem sich Gono als Crooner in eine großartige Fleetwood-Mac-Hommage wie „Slow down“ stürzt, lassen eigentlich keinen Zweifel zu: Der meint es wirklich ernst. Freunde des nicht ganz so soften Gonzales dürften im Konzert auch auf ihre Kosten kommen, wie schon der Hidden Track „Fortunately, Unfortunately“ andeutet: ein spartanisch groovendes Piano-Biest, das 1978 garantiert keinen Blumentopf gewonnen hätte.Jörg Wunder

Volksbühne, Do 17.4.,

21.30 Uhr, 22 €, erm. 18 €

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