Zeitung Heute : Shopping im Mondschein bleibt die Ausnahme

Viele Geschäfte sind künftig aber bis 22 Uhr geöffnet

Cay Dobberke

Viele Kaufhäuser und Läden in der City-West werden bald regelmäßig länger öffnen – und dies nicht mehr nur zur Langen Nacht des Shoppings. Denn der Berliner Senat hat seinen Gesetzentwurf zur weitgehenden Abschaffung des Ladenschlusses gerade beschlossen: Werktags darf demnach rund um die Uhr verkauft werden; hinzu kommen jährlich einige verkaufsoffene Sonntage inklusive der Adventssonntage. Die Zustimmung des Abgeordnetenhauses wird für den November erwartet. Dann könnte die Neuregelung noch rechtzeitig für das diesjährige Weihnachtsgeschäft greifen.

Die meisten Händler wollen sich noch nicht festlegen, wie lange sie künftig ihre Kunden bedienen werden. Die Anlieger des Kurfürstendamms und der Tauentzienstraße verständigen sich derzeit auf eine Linie. Denn die Erfahrung lehrt, dass eine erfolgreiche Geschäftspolitik einheitliche Zeiten für alle voraussetzt.

Im Europa-Center wollen die Geschäfte an den drei umsatzstärksten Wochentagen – Donnerstag, Freitag und Sonnabend – bis 22 Uhr verkaufen und sich zudem an Sonntagsöffnungen beteiligen. Die geplanten Zeiten könnten sich aber noch ändern, sagte Gerd-Peter Huber, von der Werbegemeinschaft Europa-Center, der auch dem Vorstand der AG City angehört. Es komme maßgeblich darauf an, wie die Kaufhäuser und großen Filialisten in der Umgebung mit den neuen Freiheiten umgehen wollen. Im Europa-Center selbst werde vor allem der Saturn-Elektronikmarkt Einfluss auf die Verkaufszeiten haben. Saturn öffnet jedoch erst im Sommer 2007 an Stelle des abgerissenen Kinos Royal-Palast.

Der Karstadt-Konzern, zu dem das KaDeWe, Wertheim am Kurfürstendamm und Karstadt Sport gehören, will seine Warenhäuser in Top-Lagen täglich bis 22 Uhr öffnen – zunächst aber nur für eine Testphase. Ab wann dies geschehen soll, ist noch nicht geklärt.

Bei Peek & Cloppenburg an der Tauentzienstraße waren die Öffnungszeiten bisher „gar kein Diskussionsthema“, wie Verkaufsleiter Markus Wobbe sagt. Ähnliches gilt für die neue Filiale von Appelrath-Cüpper: Die Entscheidung werde von der Zentrale getroffen, sagte Filialleiterin Yvonne Malamatas. Das Designcenter Stilwerk in der Kantstraße plant eine Kundenbefragung. Centermanager Klaus Gennrich hält einen „langen Donnerstag“ für sinnvoll, will die Türen aber nicht täglich bis nachts geöffnet halten.

Für die Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße kündigte der Vorsitzende der Straßen-AG, Thomas Bong, werktägliche Öffnungszeiten bis 22 Uhr an. Vorreiter sind auch dort große Unternehmen wie Media-Markt und Karstadt.

Erst einmal müssen sich die größeren Häuser jedoch mit ihren Betriebsräten einigen. Denn am gesetzlichen Arbeitsschutz ändert sich nichts, auf Mütter zum Beispiel muss besonders Rücksicht genommen werden. Außerdem will die Gewerkschaft Verdi um Zuschläge kämpfen, die abends und an Sonntagen gezahlt werden. Berlins Arbeitgeber haben den Manteltarifvertrag gekündigt, um diese Zuschläge abzuschaffen oder abzusenken. Außerdem hatten sich die Arbeitgeber ein Recht zur vorzeitigen Kündigung für den Fall zusichern lassen, dass der Ladenschluss entfällt.

„Kleine Geschäfte können flexibler reagieren“, urteilt AG-City-Vorstand Huber. Dies gilt zumindest in den belebten Einkaufsstraßen. Anders sieht es in Nebenstraßen aus, wo die Läden überwiegend der Nahversorgung der Anwohner dienen. Dort schöpfen die meisten Händler nicht einmal die bisherigen Möglichkeiten aus und schließen zwischen 18 und 19 Uhr.

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