Zeitung Heute : Shopping-Party und Demo zugleich Die „Lange Nacht“ hat auch eine politische Dimension

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„Lange Nächte“ gibt es mittlerweile in großer Zahl – bis hin zur „Langen Nacht des Döners“ oder der „Langen Nacht des Verbraucherschutzes“. Die „Lange Nacht des Shoppings“ auf Teilen des Kurfürstendamms, der Tauentzienstraße und der Kantstraße in der City West wurde aber schon vor dreieinhalb Jahren ins Leben gerufen – und damit gehört sie zu den Pionieren. Der Unternehmer Tommy Erbe veranstaltet die Shoppingparty mit seiner Firma Werbeteam Berlin im EuropaCenter; er ist außerdem Chef eines Stadtrundfahrtenbüros. Erbes Vorbild war die „Lange Nacht der Museen“. Diese hat er bei den Besucherzahlen allerdings längst überrundet und erwartet morgen abend erneut rund 500 000 Menschen.

Die halbjährlichen Veranstaltungen finden jeweils in den Nächten statt, in denen die Uhren auf Winter- oder Sommerzeit umgestellt werden. Nur im Frühjahr 2002 verschob Erbe der Termin einmal um eine Woche, weil dieser mit dem Osterwochenende zusammengefallen wäre. Die Kirchen hatten gegen einen „Budenzauber“ am Karsamstag protestiert.

Den Verkauf bis Mitternacht in etwa 300 Geschäften versteht Tommy Erbe nicht nur als nächtliches Einkaufsvergnügen, sondern auch als „Demonstration gegen das Ladenschlussgesetz“. Seit Juni sind zwar sonnabendliche Öffnungszeiten bis 20 statt bis 16 Uhr erlaubt – doch bei der Shoppingnacht geht es weiterhin um die völlige Freigabe der Verkaufszeiten. Typisch für die Veranstaltung ist das mehrtägige Begleitprogramm. Ursprünglich gab es die Showbühnen, Verkaufs- und Informationsstände vor allem wegen der Ladenschlussvorschriften. Denn für einen Verkauf bis zur Geisterstunde schreibt das Gesetz einen „Jahrmarkt“ vor den Türen der beteiligten Läden vor. Auf eine lange Budenmeile kann Veranstalter Erbe aber inzwischen verzichten. Mit Zustimmung des bezirklichen Wirtschaftsamts lässt er nur noch einzelne „Jahrmarktsinseln“ aufbauen. Straßensperrungen sind nicht geplant, der Verkehr soll ungehindert fließen.

Die Einkaufsnacht verdankt ihre Anziehungskraft auch dem bunten Drumherum. Viele Geschäfte locken mit hauseigenen Sonderaktionen. So gastieren bei Niketown an der Tauentzienstraße regelmäßig Sportstars. Zu den Partnern der ersten Stunde gehört außerdem das Zoo-Aquarium an der Budapester Straße, das am Sonnabend wieder bis 24 Uhr zum Besuch einlädt. CD

Informationen im Internet:

www.lange-nacht-des-shoppings.de

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