Zeitung Heute : Sich schälen

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

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Kaum fallen draußen die Blätter, beginnt die Saison, in der man sich beim Ausgehen schon wieder über den Verbleib von Jacken und anderen warmen Kleidungsstücken Gedanken machen muss. Sie kennen das ja bestimmt auch: Man kommt aus der herbstlichen Frische in den Club, und muss feststellen, nee Garderobe gibt es hier nicht. Aber wohin mit der Jacke? Oder: Es gibt eine Garderobe, aber weil man keine Lust hat, sich an der lange Schlange davor anzustellen, behält man die Jacke einfach an. Und natürlich kommt man nach kurzer Zeit ins Schwitzen. Und anstatt zu tanzen ist man die ganze Zeit damit beschäftigt, sich zu überlegen, was man mit der Jacke anstellt – ohne dass sie dreckig, oder von jemand anderem mit nach Hause genommen wird.

Die Methoden sind vielseitig. Die Bukowskis, also die Leute, die immer an der Bar herumhängen, legen ihre Jacken gerne über die Barhocker. Das Problem: wegen des Gedrängels vor der Bar fliegen die Jacken in kürzester Zeit auf den Boden - eine Welt aus Bierlachen und glimmenden Zigarettenstummeln. Die Weihnachtsmänner wiederum knäulen ihre Kleidungsstücke in dunkle Ecken, wo sie mit Sicherheit keiner findet. Im Verlaufe des Abends stolpert jedoch irgend jemand mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit über den unsichtbaren Kleiderberg und löscht ihn mit seinem Longdrink. Wieder andere legen ihre Jacken auf die Bassboxen am Rande der Tanzfläche. Leider auch keine gute Idee, denn in kürzester Zeit ist hier alles heruntergefegt, weil die Bassvibrationen alles in Bewegung versetzen, was sich dort befindet. Vor allem Frauen fragen den DJ gerne, ob er nicht auf ihre Jacke aufpassen könnte. Ist der DJ gutmütig, sagt er ja, was ihn dann später selbst total nervt, weil sich um ihn herum oder unter dem DJ-Pult regelrechte Jackenhalden stapeln, und er nicht mehr in Ruhe seine Platten heraussuchen kann. „Tschuldigung, kannste mir bitte mal die blaue Jacke mit den roten Streifen geben? Nein, nicht die, die darunter.“

Wenn besonders junge Clubgänger tanzen gehen, kann es auch passieren, dass sie sich ihrer Jacken, Schals und anderer Kleidungsstücke auf der Tanzfläche entledigen. Sie bilden einfach große Jackenhaufen, um die sie dann im Kreis herumtanzen - wie um ein Lagerfeuer.

Was Sie mit Ihrer Jacke an diesem Wochenende anstellen, können Sie sich jetzt schon überlegen, denn mit Sicherheit wird es nachts draußen ziemlich frisch, und zum Beispiel im Foyer des Café Moskau auf der Karl Marx Allee ab 23 Uhr ziemlich warm. Dann eröffnet nämlich der „Nightspace“ des großen Architektur- und Urbanismus-Symposiums „Urban Drift“ seine Pforten, und auf dem Flyer der Veranstaltung sind für heute und morgen nicht ganz uninteressante DJs und Musiker angekündigt, die Sie mit allerhand elektronischer Musik auf alle Fälle zum Tanzen bringen werden. Heute Abend etwa spielt Jamie Liedell von dem Electro-Duo Super Collider ein Live-Set, und morgen ist neben dem New Yorker Khan auch ein Live-Auftritt der neuen Berliner Popstars Tok Tok Vs. Soffy angekündigt, die mit ihrem Song „Day of Mine“ seit Wochen die deutschen Dance-Charts anführen.

Und, schon eine Idee für Ihre Jacke? Daniel Haaksman

Nightspace im Café Moskau, Karl Marx Allee, Mitte, Freitag und Samstag, ab 23 Uhr. Weitere Details zu Urban Drift unter www.urbandrift.org

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