Zeitung Heute : Sicher in der Abwehr

Robert Ide[München]

Nachdem im Vorfeld der WM sehr intensiv über die Sicherheit debattiert wurde, ist bisher weitgehend alles friedlich verlaufen. Wie schätzen die Sicherheitskräfte die Lage zur WM-Halbzeit ein?


Es flogen Flaschen, Steine, Stühle. 137 Randalierer und Hooligans – darunter 99 Deutsche und 24 Engländer – wurden in der Nacht zum Mittwoch in der Kölner Altstadt zeitweise festgenommen, nachdem so genannte Problemfans aus Deutschland, Schweden und England aufeinander losgegangen waren. Die Polizei reagierte schnell – sie ist inzwischen geübt darin. Auch in Frankfurt am Main hatte es Ausschreitungen gegeben, ebenso in Dortmund am Rande des Spiels zwischen der deutschen Elf und Polen. Ganz ruhig ist es im WM-Land also nicht, Sicherheitsexperten und Hooliganfahnder hatten das auch nicht erwartet.

Die offiziellen Bilanzen der Behörden fallen zur WM-Halbzeit dennoch positiv aus. „Gemessen an der Größe der Veranstaltung sind wir sehr zufrieden“, sagt der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Christian Sachs. Im Haus von Minister Wolfgang Schäuble wurde erstmals in der bundesdeutschen Geschichte eine Sicherheitszentrale eingerichtet, in der Informationen aller Behörden zusammenlaufen. Die Zahlen zeigen, dass die Kontrollen weit vor den Stadien beginnen. So sind seit WM-Beginn 242 Personen an den Grenzen der EU oder an der deutschen Grenze abgewiesen worden, meist waren es Hooligans. Auf Bahnhöfen und in den Zügen ist zudem die Bundespolizei verstärkt aktiv. Sie nahm bislang 187 Personen fest, oft wegen Diebstahlsdelikten.

Für die Kontrollen in den Innenstädten, in denen die Fanfeste stattfinden, sind die Länder verantwortlich. Hier gehen die Ordnungsdienste manchmal sogar zu hart vor. „Es gab aus mehreren Städten Beschwerden von Fans, die rüde behandelt wurden, obwohl sie niemandem etwas getan hatten“, sagt Michael Gabriel von der Koordinierungsstelle der Fanprojekte. Nach Einsprüchen in Frankfurt am Main und Kaiserslautern hätte sich das Verhalten der Ordner inzwischen verbessert. In den Stadien sind die Sicherheitsdienste des Fußball-Weltverbandes Fifa zuständig. Mehrheitlich wird auf Kräfte aus dem Bundesligabetrieb zurückgegriffen. Pro Spiel sind bis zu 2000 Ordner im Einsatz. Zuweilen haben es Fans geschafft, bengalische Feuer abzubrennen, „aber das waren angesichts zehntausender Zuschauer nur Marginalien“, meint Gerd Graus vom WM-Organisationskomitee. Die Kontrollen der personengebundenen Tickets erfolgen in Stichproben, pro Spiel sind es höchstens 1000 Eintrittskarten. Auch aus den Mannschaftsquartieren werden keine Vorkommnisse gemeldet; politisch sensible Teams wie das iranische und amerikanische werden besonders bewacht.

Zwei Mal aber gab es einen Schreckmoment für die Sicherheitskräfte. Bei der WM-Eröffnung in München und beim Spiel Italien – USA in Kaiserslautern verletzten Privatflieger den gesperrten Luftraum rund um die Stadien. Sie wurden von Polizeihubschraubern zur Landung gezwungen. Die ahnungslosen Piloten mussten Bußgelder zahlen.

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