Zeitung Heute : Sicher skaten

Im Horst-Dohm-Eisstadion lernen Anfänger, wie man richtig durch die Stadt rollt

Annette Kögel

Auf die Knie, die Arme nach vorne, den Oberkörper mit den Ellenbogen abfangen! Kopf und Kinn in die Höhe, damit man damit nicht den Asphalt berührt. Gar nicht so leicht, richtig zu stürzen – das zeigt der Selbstversuch. „Wer inlineskaten will, sollte zuerst das Fallen üben“, sagt Inlineskating-Trainerin Judith Clausnitzer. Die 35-Jährige aus Schöneberg bietet zum Saisonstart mit dem „Inline- und Rollsportverband Berlin“ Kurse für Kinder und Erwachsene an.

Gerade im Stadtverkehr muss man Passanten ausweichen, sein Umfeld beachten, schnell bremsen, mit unterschiedlichen Belägen zurechtkommen, zur Not mal rasch über ein Hindernis – etwa eine Colaflasche auf dem Gehweg – springen. All das lernt man in den dreimal zwei Stunden „Safer Skaten“ im Horst-Dohm-Eisstadion in Wilmersdorf bei der ehemaligen Eiskunstlauf- und Rollschuhsportlerin. Also: Helm auf, Schoner überziehen. „Gerade bei Kindern müssen Eltern darauf achten, dass die Schützer nicht verrutschen“, sagt Judith. Wer denkt, er könne skaten, wird schnell eines Besseren belehrt. Bremsen? Klar, mit dem Stopper am rechten Schuh. Aber wie geht man in die Knie, macht den Ausfallschritt, lehnt den Oberkörper nach vorne? Judith macht’s vor – Schneepflug-Stopp sowie T-Bremse. Der Power-Slide ist mehr was für Speedskater. Aber die werden auch locker 60 Stundenkilometer schnell. Das Tempo kann man sich aber nur auf Strecken wie dem Kronprinzessinnenweg („Krone“) in Zehlendorf oder der Fläming-Skatestrecke in Brandenburg erlauben. Schöner Skaten geht in Berlin auch auf dem Schöneberger Südgelände. Sonst aber ist man auf Inlinern den Fußgängern gleichgestellt und darf nur in Schrittgeschwindigkeit auf dem Gehweg fahren. Wer auf dem Radweg fährt, kann von der Polizei mit zehn Euro belangt werden, das Fahren auf der Straße kann fünf Euro kosten. „Auf der beliebten Skaterstrecke, der Krone an der Avus, geht es nur geradeaus, deswegen kommen viele gute Skater nicht um die Kurve“, sagt der Präsident des Inlineverbandes, Björn Olufsen.

Für Judith Clausnitzer kein Problem: Sie zeigt, wie man das Gewicht verlagert, oder wie man die Skates übersetzt, damit man auch engere Radien schafft. Als Skater ist man dann schon fitter für den Verkehr. „Aber viele Passanten und Radfahrer wissen nicht, dass man wegen der Ausholbewegungen wesentlich mehr Platz benötigt als ein Fußgänger“, sagt Judith. Wenn beim Trockentraining was schief geht, ist das halb so wild. „Außerdem“, sagt Judith, „wann hat man schon mal die Gelegenheit, jemandem auf die Beine zu helfen?“

Der nächste Grundkurs (6 Stunden) beginnt am 20. 4. Der Preis: 40 Euro. Kinderkurs: 30 Euro. Infos zum Verein und Anmeldung bei Daniel Kälberer, Tel. 793 14 52. E-Mail: irvb.kurse@web.de. Im Horst-Dohm-Stadion kann von 9 bis 15 Uhr jeder gratis laufen.

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