Zeitung Heute : Sie haben, was nicht jeder hat

Vom losen Gewürz bis zur Sammler-LP: Besonderes in den Seitenstraßen der Schloßstraße

Harald Olkus

Den einzigen Laden in Berlin, der sich auf den Verkauf von losen Gewürzen spezialisiert hat, findet man in der Kieler Straße 9. Vor 13 Monaten eröffnete Michael Stümpert seinen Laden Pot & Pepper. Die gesamte Lagerhaltung befindet sich in einem großen Regal im Laden. „Denn ich kaufe immer nur kleine Mengen ein. Gewürze müssen frisch sein.“ Stümpert rät seinen Kunden, lieber etwas weniger zu kaufen, damit die Gewürze spätestens in einem Jahr aufgebraucht sind. Nur Pfeffer, Muskatnuss und Zimt könne man länger aufbewahren. Bei Pot & Pepper gibt es über 200 Gewürze und Gewürzmischungen, darunter sehr viele Spezialitäten von Paradieskörnern über Tonkabohnen, Süßholzwurzeln, sechs verschiedene Sorten Chilies, Kräuter wie Oregano und Thymian und neun Sorten Curry.

Schräg gegenüber, bei Schirm Schirmer kann es nur eines geben: Schirme. In allen Formen, Farben und Varianten. Seit 1908 gibt es das Fachgeschäft in der Kieler Straße 6. 1990 wurde der Laden noch von Oma Schirmer geführt, bis Joachim Hamann, Schirmmachermeister aus Potsdam-Babelsberg, zufällig dort einen Parkplatz fand. „Aus beruflichem Interesse ist er natürlich gleich hineingegangen“, sagt dessen Nichte und heutige Inhaberin von Schirm Schirmer, Jacqueline Brückner. Und es stellte sich heraus, dass Oma Schirmer ihren Laden abgeben wollte. Somit übernahm die Babelsberger Schirmmacher-Dynastie das Steglitzer Traditionsunternehmen. „Wir haben hier Sonnenschirme, Regenschirme, Regenmäntel und Gehstöcke“, sagt Jacqueline Brückner. Aber vor allem Schirme: ganz kleine, eckige, Hochzeitsschirme, transparente Schirme, Schirme im Stock, Motivschirme, glitzernde Schirme, Schirme zum Umhängen, Portiersschirme, Trachtenschirme... Und natürlich: Schirmer repariert auch Schirme.

Obwohl der Name es erwarten ließe, gibt es bei Shubashi in der Hubertusstraße 7 keine Fischplatten. „Viele denken erst mal, ich hätte einen Sushi-Laden", meint Wolf-Dieter Kuntze. Shubashi ist ein Plattenladen. „Wir sind spezialisiert auf Gebrauchtplatten, CDs, Videos, DVDs, Zubehör, Poster, Bücher und Zeitschriften“, sagt der Inhaber, „vor allem aber bestellen wir für Sammler weltweit Dinge, die es neu nicht mehr gibt.“ Kuntze hat viele Kontakte und weiß, wo er begehrte Raritäten besorgen kann. Seit fünf Jahren führt der ehemalige Fernsehjournalist seinen Plattenladen, inzwischen umfasst das Sortiment etwa 20 000 Artikel. Und der Name? Der stammt von einem Besatzungsmitglied des Raumschiffs Orion, der Kult-Serie aus den 60er Jahren.

Das Weinkontor in der Deitmerstraße 9 konzentriert sich auf spanische Weine – und hier speziell auf Sherry und Madeira. „Bei uns finden Sie fast 100 Sorten Sherry und etwa 50 Sorten Madeira“, sagt Mitinhaberin Barbara Becker. Wer nur die drei Sorten von Sandeman kennt, kommt hier ins Staunen: helle, dunkle, leichte, schwere Sherrys, aber alle sind grundsätzlich trocken. Weinkontor importiert seine Sherrys und Madeiras direkt von den Erzeugern und führt viele Sorten, die es in Deutschland üblicherweise nicht zu kaufen gibt. Neben einem 30 Jahre alten Sherry ist Barbara Becker besonders stolz auf einen Madeira aus dem Jahr 1901, der erst 1993 in Flaschen abgefüllt wurde. „Wir haben hier immer einige Sherrys offen, denn bei uns sollte man vor dem Kauf probieren, da man die meisten Sorten hier gar nicht kennt“, sagt die Inhaberin.

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