Zeitung Heute : Sie ist noch immer eine Erholungsinsel - Luxus und Eleganz früherer Tage spürbar

Monika Hamberger

Belegte Brote sind auf den Steinen des engen Felsplateaus ausgebreitet, Kinder spielen Fangen in dem kippligen Gelände, viele Besucher sind einfach in die Aussicht vertieft. Von der Herthahütte schweift der Blick über die Ausläufer des Schwarzwaldes in die Ebene, ins angrenzende Elsass. An besonders klaren Tagen kann man sogar das Straßburger Münster erkennen.

Als sie im Jahr 1910 das mit hohen Tannen bewachsene bergige Terrain zum ersten Mal sah, stand für Hertha Isenbart eines fest: Hier wollte sie sich ihren lang gehegten Traum verwirklichen, eine Erinnerungsstätte für den geliebten, bereits verstorbenen Mann und ein Sanatorium für Erholung suchende Offiziere: vielen zur Genesung, einem zum Gedächtnis.

Für den Besucher, der von der Schwarzwaldhochstraße kommt, ist das Anwesen vom Fahrweg aus nicht sichtbar. Ein bescheidenes Hinweisschild steht diskret an der Abzweigung. Wer dorthin möchte, kennt den Weg. Ein wuchtiger Torbogen führt über den Innenhof zu dem schlossähnlichen Gebäude. Aus blassrotem Granit, stilistisch schwer einzuordnen, entstand nach dem Wunsch einer willensstarken Frau ein Bau, der in die Geschichte einging.

Hertha Schottländer, Tochter eines jüdischen Großgrundbesitzers aus Schlesien, glücklos verheiratet mit dem Bankier und Gutsbesitzer Pringsheim, verliebte sich bei einer Manövereinquartierung in den gut aussehenden Regimentskommandeur Oberst Wilhelm Isenbart. Der verständnisvolle Ehemann gab sie frei, so dass einer neuen Liaison nichts mehr im Wege stand. Doch wie sich herausstellte, verletzte die Heirat mit einer jüdischen geschiedenen Frau den Ehrenkodex des kaiserlich-preußischen Offizierskorps. Der Oberst wurde mit dem "Charakter eines Generalmajors" in die Pensionierung geschickt. Ein Teil ihres ehrgeizigen Lebenstraums konnte sie jedoch verwirklichen: Hertha durfte sich "die Generalin" nennen.

Die tragische Geschichte nahm ihren Fortgang. Nach dem Tod ihres Mannes in Ägypten sollte dem Geliebten ein Denkmal gesetzt werden. 1911 erwarb sie von der Stadt Bühl das zirka 20 Hektar große Waldstück. Der damals berühmte Düsseldorfer Architekt Professor Wilhelm Kreis wurde für den Bau des barockartigen Schlosses und des zweckbestimmten Sanatorium gewonnen. Die Realisierung dieses Traumes scheiterte, als Kaiser Wilhelm II. eine Schenkung aus wirtschaftlichen Gründen ablehnte, weil Hertha Isenbart die Million Reichsmark für die laufenden Betriebskosten nicht aufbringen konnte. Als auch diese Vision sich in Nichts auflöste, gab es keinen Grund mehr für die enttäuschte Frau weiter zu leben.

Beim Durchblättern des Gästebuches stößt man auf Namen berühmter Politiker wie Konrad Adenauer und Theodor Heuss, die viele Jahre dem Haus treu verbunden waren. Auf den traditionellen Mittwochabenden trafen sich Künstler wie Carl Orff und Elly Ney.

Eine "Insel der Erholung" ist die Bühler Höhe auch heute noch. Ging es früher im alten Kurhaus um das Gesundwerden, liegt heute der Schwerpunkt auf Gesundbleiben. Mit modernen Therapien versucht man den durch Stress aus dem Gleichgewicht geratenen Organismus wieder zu harmonisieren. Das Haus selbst wurde unter anderem mit Hilfe von Max Grundig mehrfach renoviert und zeigt sich dem Gast als gelungene Mischung: Noch ist der Luxus und die Eleganz vergangener Tage spürbar, verbunden mit neuzeitlichem Komfort. Da möchte man selbst als passionierter Nichtraucher genüßlich eine Havanna anzünden, so einladend wirkt die extra dafür vorgesehene Räumlichkeit. Vergebens sucht man die üppige Gegenständlichkeit der damaligen Zeit. Ob sportlich oder kulturell, in der näheren Umgebung findet sich für jeden Freizeittyp etwas. Im neu erbauten, nahegelegenen Festspielhaus in Baden-Baden werden Konzerte mit namhaften Künstlern aufgeführt. Manch einer versucht sein Glück im Casino, das schon allein wegen seiner Inneneinrichtung einen Besuch lohnt. Den Klängen einer Chopin-Etüde lauschend, die aus Anlass der bekannten "Freitagskonzerte" in der Rotonde erklingen, versteht man den Ausspruch des Schauspielers Martin Held: Es ist immer wie ein nach Hause kommen. Informationen: Schlosshotel Bühlerhöhe, Schwarzwaldhochstraße 1, 77815 Bühl/Baden-Baden; Telefon: 072 26 / 550, Telefax: 072 26 / 557 77, buehlerhoehe @t-online.de

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