Zeitung Heute : Sie können das noch nicht

Der Tagesspiegel

Optimisten entdecken auch in den schrecklichsten Dingen meist noch etwas Gutes, was Nicht-Optimisten manchmal ziemlich sarkastisch vorkommt. Einen glücklichen Umstand gibt es wohl bei all den Gerüchten, die über das tödliche Unglück in Kabul jetzt durchsickern. Die Bundeswehr hatte bis dato keinerlei Erfahrung mit dem Tod von Soldaten. Sehr nachvollziehbar also, dass Generalinspekteur Harald Kujat nach dem Unglück vor die Presse trat, um – sichtlich um Fassung ringend – den Angehörigen sein Beileid auszusprechen, den Mut, die Opferbereitschaft der Soldaten zu loben und eine Schuld der Beteiligten pauschal auszuschließen. Aus heutiger Sicht eine sehr menschliche, aber vielleicht nicht ganz kluge Reaktion. Was aus den vertraulichen Mitteilungen des Ministeriums nach außen sickert, ist nicht heldenhaft. Der Dienst habende Feldwebel soll den Befehl gegeben haben, die Rakete nicht, wie es strikte Anweisung ist, zu sprengen, sondern zu entschärfen, um den aufregenden Fund als Andenken mit nach Hause nehmen zu können. Das wäre allerdings mehr als nur Leichtsinn, wie es jetzt vorsichtig heißt, sondern grobe Fahrlässigkeit und eine erstaunliche Unterschätzung der realen Gefahr. Auch das hängt, so würden Optimisten sagen, vielleicht mit glücklichen Umständen zusammen. Die Bundeswehr hat eben erst wenig Erfahrung mit Auslandseinsätzen. Den Angehörigen der Opfer wird dieses Argument wie purer Sarkasmus erscheinen. svs

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