Zeitung Heute : Sie rechnen mit Fehlern

Matthias B. Krause[New York]

US-Außenminister Colin Powell gibt Fehler im Terror-Bericht zu. Wie konnte es zu den falschen Zahlen kommen?

Es war zu schön, um wahr zu sein: Ende April verkündete die Bush-Administration stolz ihren bahnbrechenden Erfolg im Kampf gegen den weltweiten Terror. Vize-Außenminister Richard L. Armitage sprach damals bei der Vorstellung des Reports „Pattern of Global Terror“ von „klaren Beweisen, dass wir diesen Kampf gewinnen“. Antiterrorismus-Chef im Amt, J. Cofer Black, erklärte das angebliche Sinken der weltweiten Terroranschlage von 198 in 2002 auf 190 im Jahr danach gar als Trend, der sich fortsetzen werde. Doch nun stellt sich heraus: Alles falsch, alles gelogen. Statt zurückzugehen, nahm die Zahl der weltweiten Terroranschläge stark zu.

US-Außenminister Colin Powell beeilte sich zu versichern, es handle sich nur um einen statistischen Lapsus, nicht um eine politisch motivierte Schönrechnerei. „Die Fehler haben sich eingeschlichen und wir haben sie nicht gefunden“, sagte er. Wie das ausgerechnet in so einem hochsensiblen Bericht passieren konnte, dafür hatte Powell eine simple Erklärung parat. Neue Leute hätten ein neues System angewendet, dabei sei es zu den Ungenauigkeiten gekommen. So seien etwa nur Teile des Jahres 2003 mit dem Gesamtzeitraum 2002 verglichen worden. Erst als sich nach Veröffentlichung des Terror-Reports Anrufe häuften, die die Zahlen in Zweifel zogen, sei man auf die Fehler aufmerksam geworden, sagte Powell.

Während das Außenministerium nun daran arbeitet, die gröbsten Fehler auszumerzen, bleibt die Frage offen, ob es damit auch eine andere Merkwürdigkeit korrigiert: Die meisten Anschläge im Irak ignorierte die Statistik, obwohl Präsident George W. Bush sie in der Öffentlichkeit gern als Werk von Terroristen darstellt, nicht als Akt von Irakern gegen ihre Besatzer.

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