Zeitung Heute : Sie wären so frei

Die Liberalen hätten zwei mögliche Kandidaten zur Wahl: Gerhardt vom rechten Flügel und Schmalz-Jacobsen vom linken. Zwei Porträts

-

Wolfgang Gerhardt

Gerhardt hat dabei auf den ersten Blick mit Wolfgang Schäuble mehr gemeinsam als nur den Vornamen. Auch Gerhardt ist ExParteichef, auch an Gerhardt leidet ein Teil seiner Partei. Wie Schäuble gehört er jenem Schlag Politiker an, die lieber etwas ausführlicher einen Gedanken äußern als schlagzeilenträchtig zuzuspitzen. Wobei Schäuble als deutlich eloquenter gilt.

Dieses Bild des etwas drögen, wenn auch ehrlichen und anständigen Menschen ist es, das Gerhardts Ende als Parteiführer vor zwei Jahren herbeiführte. Viele in der FDP sahen in ihm einen potenziellen Wahlverlierer (was die Ergebnisse seiner Amtszeit von 1995 bis 2001 nicht durchgehend hergaben), der nicht für das „Projekt 18“ stehen konnte. Gerhardt stand für die FDP der Kohl-Ära, und auch sein überraschendes Eintreten gegen eine Fortsetzung der Koalition mit der CDU in Hessen wegen deren Spendenaffäre konnte dieses Bild nicht nachhaltig verwischen. Zumal die Hessen-FDP (sein Heimatverband) ihm als damaligem Bundesvorsitzenden nicht folgte. Für die FDP-Populisten um den verstorbenen Jürgen W. Möllemann war Gerhardt immer ein Ärgernis. Und dieses Ärgernis galt es zu beseitigen. Er wurde entmachtet. Lachender Dritter in diesem Streit war Gerhardts Generalsekretär Guido Westerwelle. Er wurde im Mai 2001 neuer FDP-Chef. Seither mag er der Ansicht sein, er könnte Gerhardt auch etwas schulden. Jedenfalls war das letzte Dreikönigstreffen so zu deuten, dass gegen eine Kandidatur Gerhardts aus Sicht Westerwelles wenig spräche. Eine Umfrage besagte allerdings unlängst, dass 46 Prozent der eigenen Leute gegen einen Bundespräsidenten Wolfgang Gerhardt seien.

Cornelia Schmalz-Jacobsen

Gegen Cornelia Schmalz-Jacobsen ist im Grunde nichts zu sagen. Und das ist es vielleicht, was man ihr vorwerfen kann, das ist es, was sie nicht unbedingt zur passendsten Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten machen könnte.

Die 69-jährige gebürtige Berlinerin begann ihre politische Karriere – nachdem sie zuvor als Journalistin gearbeitet hatte – bei der Münchner FDP, als deren Abgeordnete sie 1972 in den Münchner Stadtrat kam. Dort wirkte sie im Kultur-, Gesundheits-, Schul- und im Bauausschuss und widmete sich hauptsächlich der Stadtgestaltung.

Als Schmalz-Jacobsen sich 1978 für die Oberbürgermeisterwahl aufstellen ließ, erwies man ihr deutlich Respekt: Sie erhielt immerhin 5,8 Prozent der Stimmen. Diese Art Achtungserfolg erscheint symptomatisch – Schmalz-Jacobsen war nie Quoten-, eher Alibifrau: In das Amt der Vorsitzenden des FDP-Stadtverbandes in München wurde sie 1982 gedrängt – zwei Jahre später trat sie enttäuscht zurück. Zur Berliner Senatorin für Jugend und Familie berief sie 1985 der damalige Bürgermeister Eberhard Diepgen. Auch das Amt der Generalsekretärin der FDP hatte Cornelia Schmalz-Jacobsen nicht selbst gewollt. Graf Lambsdorff nannte sie als Wunschkandidatin, nachdem er den Parteivorsitz 1988 übernommen hatte. Aus dessen Schatten herauszukommen, war ihr nicht möglich. Denn Graf Lambsdorff dirigierte seine Partei schon lieber selbst.

Das Amt der Ausländerbeauftragten trat Schmalz-Jacobsen 1991 nur unter der Bedingung an, dass ihr weiterreichende Kompetenzen und ein größeres finanzielles Volumen zur Verfügung gestellt würden. Letzteres erhielt sie, aber Einfluss wurde ihr auch hier nicht zuteil, obwohl sie sich mit aller Kraft für die Veränderung der Ausländerpolitik und damit die Verbesserung der Lebensumstände von Ausländern in Deutschland einsetzte. Sie betonte die schlechte Rechtslage, befürwortete die Ausdehnung des Staatsbürgerrechts und erarbeitete einen Gesetzesentwurf für die doppelte Staatsbürgerschaft. Ohne Erfolg, ihre Vorschläge blieben ebensolche.

Der Rest ist schnell erzählt: Schmalz-Jacobsen wurde 1994 Beisitzerin im FDP-Präsidium und 1995 stellvertretende Bundesvorsitzende. Bei der Bundestagswahl 1998 kandidierte sie nicht mehr und gab ihr Amt als Ausländerbeauftragte auf. 1999 wurde sie neue Leiterin des Politischen Clubs der Evangelischen Akademie Tutzing.

So hat Cornelia Schmalz-Jacobsen allerlei Ämter bekleidet, ohne anzuecken. Sie verfügt deshalb über ein unbeflecktes Ansehen, aber nicht unbedingt über Gewicht.afk/nan

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben