Zeitung Heute : Siedler wehren sich in Spandau gegen breitere Straßen

Der Tagesspiegel

Spandau. An der Straßenbreite scheiden sich die Geister. Das Bezirksamt möchte die Wege in der Siemens-Siedlung in Weststaaken auf sechs Meter verbreitern. Das absolute Minimum des Zulässigen, wie Baustadtrat Carsten Röding (CDU) betont. Die 219 Siedlerfamilien wollen es dagegen bei den bisherigen vier Metern belassen. „Wir befürchten, dass bei breiteren Straßen auch schneller gefahren wird“, so ihr Vorsitzender, Jürgen Renelt.

Die Siedlung war in den 30-er Jahren des vergangenen Jahrhundert für Siemens-Kurzarbeiter errichtet worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Weststaaken durch einen Geländetausch der Siegermächte unter DDR-Verwaltung und wurde erst mit der Vereinigung 1990 nach Berlin zurückgemeindet. Heute leben in der Siedlung Alteigentümer und deren Erben ebenso wie Siedler, die ihre Häuser zu DDR-Zeiten bezogen haben oder nach dem Mauerfall nach Staaken zogen. Während sich Siedler und Verwaltung nach jahrelangem Streit an mehreren runden Tischen über alle sonstigen Punkte einigten, hält die Kontroverse um die Straßenbreite weiter an. Für die notwendige Regenwasser-Entwässerung sollen die Anlieger jeweils einen einen Meter breiten Streifen ihrer Grundstücke gegen Entschädigung abtreten. Weil die Privatwege durch den Bebauungsplan zu öffentlichem Straßenland werden, so der Leiter des Stadtplanungsamtes, Walter Göllner, sind keine Ausnahmen möglich. Nur wegen vorhandener Ausweichstellen und relativ kurzer Straßenabschnitte habe man die Forderung von Feuerwehr und Straßenverkehrsbehörde nach einer noch größeren Breite nicht berücksichtigt, sagte Baustadtrat Carsten Röding (CDU). In der Siedlung am Hahneberg, wo es ebenfalls Proteste gegen die geplante Straßenverbreiterung gibt, sei ein Minimum von 6,75 Metern erforderlich.

Jetzt ist das Thema gleich mehrfach Gegenstand von Anfragen und Anträgen in der Bezirksverordnetenversammlung am 20. März. Vorläufig brauchen die Betroffenen allerdings ihre Zäune noch nicht einzureißen. Wann angesichts der Finanzmisere der Stadt die erforderlichen Mittel für den Straßenausbau zur Verfügung stehen werden, steht noch völlig in den Sternen. du-

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