Zeitung Heute : Sightseeing im Laufschritt

Der Tagesspiegel

Wer daran gedacht hatte, morgen Vormittag eine Sightseeing-Tour durch Berlins Innenstadt zu unternehmen, der sollte es tunlichst auf den Nachmittag verlegen. Wer sich aber sportlich betätigen will und genügend Kondition hat, der macht am kommenden Sonntag beim 22. Bewag Berliner Halbmarathon mit. Und bewundert die Sehenswürdigkeit der Hauptstadt im Laufschritt.

Ab 9.30 Uhr geht es an der Karl-Marx-Allee unweit des Alexanderplatzes los. Zuerst mit den Skatern, danach starten die Power-Walker, die Rollstuhlfahrer und um 10 Uhr schließlich die Läufer des Halbmarathons. Zwanzig Minuten später rundet der Fun-Run, ein Berliner Schülerlauf über 4 km, den Wettbewerb ab. Wenn gutes Wetter ist, „dann kommen die Skater an, wenn die Läufer starten“, sagt Race Director Horst Milde. In die Quere werden sie sich also nicht kommen.

Der 21,0975 Kilometer lange Kurs durch den Ost- und Westteil Berlins ist Deutschlands größter und schnellster Halbmarathon. Und sicher auch der stadtgeschichtlich interessanteste. Es geht vorbei am Berliner Dom, am Brandenburger Tor, an der Siegessäule, dann zum Schloss Charlottenburg, weiter über den Kurfürstendamm, danach an der Gedächtniskirche, dem Checkpoint Charlie und am Gendarmenmarkt vorbei, zum Roten Rathaus, schließlich zur Alexanderstraße, wo sich das Ziel befindet (siehe Grafik).

Die Laufstrecke ist komplett abgesperrt und wird voraussichtlich mit vielen Tausend Schaulustigen flankiert sein. Auf eine positive Zuschauer- und Medienresonanz hoffen die Veranstalter: „Wir wollen die Distanz vom Berliner Halbmarathon zum Berlin-Marathon verringern.“ Dort jubelten letzten Herbst fast 40000 Menschen an der Strecke.

Erheblich beschränkt wird der Autoverkehr: In der Zeit von 9.30 Uhr bis 13 Uhr ist der Rundkurs mit dem Auto laut Polizei grundsätzlich nicht zu überqueren. Wer sich innerhalb der Strecke befindet und heraus will, wartet besser ab und schaut den Läufern zu. Die kommen nämlich erstmals aus 47 Ländern.

Und auch die Teilnehmerzahl hat sich gegenüber dem letzten Jahr erhöht. Alles in allem ist sie um 18 Prozent auf 13686 gestiegen. Beim Halbmarathon selbst wollen bisher 10677 Läufer mitlaufen, 24 Prozent davon sind Frauen. Die älteste Läuferin zählt stolze 71 Jahre, der älteste Läufer sogar 81. „Aber keine Angst, er war früher ein guter Sportler und ist noch gesund und sehr fit“, heißt es beim Veranstalter.

Für medizinische Versorgung an der Strecke ist gesorgt. Und traditionell gibt es auch ein Rahmenprogramm. Heute von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag von 7.30 bis 14 Uhr findet im Messezelt in der Alexanderstraße eine Sportmesse statt. Neben Souvenirs werden sämtliche Utensilien zum Laufsport angeboten. Außerdem kann man sich aus sportmedizinischer Sicht beraten lassen und an der Pasta-Party am heutigen Nachmittag mitmachen. Ein 800-Meter Bambini-Lauf um 15 Uhr rundet den Sonnabend ab.

Wer am Sonntag zuschauen möchte, sollte mit U- und S-Bahn kommen. Vor allem am Start- und Ziel in Mitte werden zusätzliche Halteverbote eingerichtet. Die Polizei bittet um Verständniss, „dass wir Strafzettel verteilen müssen.“ Die Siegerehrung wird um 12 Uhr auf der Bühne des Messezeltes stattfinden. Die stärksten Läufer brauchen knapp über eine Stunde für die 21 Kilometer. Im vergangenen Jahr stellte der Spanier F. Roncero mit 59:52 einen offiziellen Europarekord auf. Bei den Herren werden vermutlich die starken Kenianer den Sieg unter sich ausmachen. Und auch bei den Frauen sind Schwarzafrikanerinnen Favoriten. Doch im Grunde sind die Bestzeiten gar nicht so wichtig. Es kommt vor allem darauf an – anzukommen. Jörg Petrasch

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