Silicon Sensor : Mit feinen Fühlern

Ihre Sensoren messen Blutdruck, Entfernungen oder navigieren im All. Silicon Sensor will in Oberschöneweide bald 500 Leute beschäftigen

Cay Dobberke
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"Wir sind einer der Überlebenden des Neuen Marktes. Die Banken fragen, ob sie uns Geld geben können. Das finde ich nur gerecht. Schließlich hat sich unser Unternehmen seit 18 Jahren als solide erwiesen. Bis 2015 soll der Umsatz auf 100 Millionen Euro steigen.“
Hans-Georg Giering,Vorstandschef Silicon Sensor International



„Wir sind einer der Überlebenden des Neuen Marktes“, sagt Hans-Georg Giering,Vorstandschef des Elektronikspezialisten Silicon Sensor International. „Die Banken fragen, ob sie uns Geld geben können.“ Das findet er nur gerecht. Schließlich hat sich sein Unternehmen seit 18 Jahren als solide erwiesen und den Zusammenbruch der E-Economy überstanden. Während andere sich also noch vor der „Kreditklemme“ fürchten – damit ist die Zurückhaltung von Geldinstituten bei der Darlehensvergabe gemeint – kann das Unternehmen in Oberschöneweide nicht klagen. Nun will Silicon Sensor weiter wachsen: Der Umsatz soll von 39 Millionen Euro bis 2015 auf 100 Millionen Euro steigen.

Die Grundlage wurde im Oktober mit der Eröffnung des neuen Werks an der Wilhelminenhofstraße geschaffen. Derzeit gibt es 322 Mitarbeiter, später könnte die Zahl auf 500 steigen. Die Hightech-Sensoren aus dem alten Industriegebiet „kommen in fast allen Lebensbereichen zum Einsatz“, sagt Giering, in der Medizin, der Kommunikation, im Auto- und Maschinenbau, in der Sicherheitstechnik und der Raumfahrt.

Werbung? Kaum nötig. „Die Kunden kommen zu uns“, sagt der Chef. In Deutschland sind die Sensoren zum Beispiel auf Mautbrücken über Autobahnen installiert. Bei ärztlichen Blutzuckermessungen steckt Technik aus Oberschöneweide laut Giering „in fast jedem deutschen Gerät“. Ähnlich ist es beim „elektronischen Zollstock“, der Entfernungen mit Laserstrahlen misst. Und manchmal geht es hoch hinaus: Die Satelliten des geplanten europäischen Navigationssystems Galileo werden im Weltall ausgerichtet, Spezialsensoren von Silicon Sensor ermitteln die Position zur Sonne.

Gegen die Krise hat sich das Unternehmen mit Einschnitten bei Bonuszahlungen und mit variablen Gehältern gewappnet. „Alle Beschäftigten haben mitgezogen“, sagt Giering. Er erwartet, dass viele Kunden im Laufe des Jahres Aufträge nachholen werden, die sie im Januar zurückgehalten haben. Damals habe fast kein deutsches Großunternehmen mehr bestellt, die Konzernchefs hätten „schlicht Einkaufsstopps verhängt“.

Schon für 2010 erwartet Hans-Georg Giering eine gesamtwirtschaftliche Erholung. Dann will er den Vertrieb stärken und neues Personal einstellen. „Bisher haben wir Nischen bedient, jetzt stellen wir uns breiter auf.“ Silicon Sensor hat 4000 verschiedene Sensortypen entwickelt.

Der Firmenchef freut sich über den geplanten Umzug der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin auf ein Nachbargrundstück. „Durch die FHTW wird der Standort sehr viel attraktiver.“ Und für manche Studenten könnte Silicon Sensor später zum Arbeitgeber werden. Zurzeit haben 40 Prozent der Beschäftigten einen Hochschulabschluss.

Finanziell sieht sich das Unternehmen gut abgesichert. Denn im Februar stieg Daniel Hopp – Sohn des SAP-Mitgründers und Milliardärs Dietmar Hopp – als Hauptaktionär ein. Das führte auch zu einem kräftigen Kurssprung an der Börse.

Das Silizium für die Sensoren ist übrigens etwa 1000 Mal reiner als das Material in der Solarindustrie. Weniger spektakulär scheint die Größe der Produkte. „Auf einer Scheibe mit 100 Millimetern Durchmesser haben 8000 Sensoren Platz“, sagt Giering. Die Jahresproduktion passt in einen Pilotenkoffer.

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