Silvio Berlusconi : Von Gott gesandt

Ein wenig traurig darf man sein, dass wir so gar nicht mehr auf Italien angewiesen sind. Schönes Wetter haben wir selber, Kochen können wir inzwischen auch ganz passabel und im Gegensatz zu den Menschen jenseits der Alpen haben wir einen Calcio bello, einen schönen Fußball nämlich. Was wir natürlich nicht haben – und das ist der Grund der Traurigkeit – wir haben keinen „Staatsmann mit seltenen Fähigkeiten, der mit Verantwortung und klarem Bewusstsein sein Land in die Zukunft führt und eine Gesellschaft baut, deren Zusammenhalt auf Liebe, Toleranz und Respekt für das Leben basiert“. Außerdem wird er von nahezu „allen im Lande geliebt.“ Man denkt an Kim Jong Il, den „geliebten Führer“ Nordkoreas, aber der ist es nicht, der sein Land so toll regiert. Es ist Silvio Berlusconi, der geliebte Führer und Ministerpräsident Italiens. Die exakte Beschreibung seiner Arbeit ist einer Laudatio entnommen, die gehalten wurde anlässlich der Überreichung des Preises „Grande Milano“. Berlusconi hat diesen Preis in Mailand für sein Lebenswerk bekommen, und das alleine zeigt ja schon, was für ein grandioser Mensch er ist. Gewiss ist es nur eine zeitliche Zufälligkeit, dass Berlusconi für die Restaurierung der Marienfigur auf dem Mailänder Dom eine Million Euro aus der eigenen Tasche gespendet hat und fünf Millionen Euro aus öffentlichen Mitteln für die Mailänder Dombauhütte bewilligte. Er tat das nach eigener Aussage aus Dankbarkeit, weil das Attentat vom Dezember, bei dem ihm ein Mann eine kleine Dom-Statuette ins Gesicht geschleudert hatte, letztlich glimpflich ausgegangen ist. Man weiß nicht, warum der Mann das getan hat, wo Berlusconi doch so Ein Gutmensch ist. Aber man weiß jetzt, warum Berlusconi so reizend ist. Das hat Don Luigi Maria Verze herausgefunden: „Ich habe immer gesagt, dass Berlusconi von der göttlichen Vorsehung gesandt ist, um das Land zu retten.“ Der Mann weiß, wovon er redet, wenn er von den Gesandten Gottes redet, Don Luigi ist Priester. Wahrscheinlich muss die Geschichte jetzt umgeschrieben werden. Und die, die Berlusconi bisher für einen korrupten Machtmenschen hielten, zudem für einen sabbernden, geifernden Lustmolch, der das schöne Italien in der Tabelle der Sehnsuchtsorte auf sehr hintere Plätze geführt hat, die müssen ihr Urteil revidieren. Berlusconi, hat der Kirchenmann gesagt, ist ein Engel. Dass Männer der Kirche lügen oder irren, kann ausgeschlossen werden. Das haben wir hier diesseits der Alpen unlängst hinreichend erfahren. Auch dafür brauchen wir Italia nicht mehr. Bella ciao!

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