Zeitung Heute : "Sind die Deutschen ausländerfeindlich?": Korrekt

Oliver Heilwagen

"Nein, selbstverständlich nicht!" möchte Bundestagspräsident Wolfgang Thierse auf die "rhetorische Frage" antworten: Sind die Deutschen ausländerfeindlich? Damit will Thierse es aber nicht bewenden lassen: Er hat den gleichnamigen Sammelband mit herausgegeben. Seine Lektüre sei mehr als eine "Pflichtübung von Gutmenschen", betont Thierse. Wer in dem Buch nur einen Schnellschuss zur Sommerloch-Debatte über Rechtsextremismus vermutet, sieht sich getäuscht: Bereits vor einem Jahr richtete das European Institute for International Affairs in Heidelberg seine Anfrage an Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Daher sind auch die mittlerweile Verstorbenen Ignatz Bubis und Alphons Silbermann mit Beiträgen vertreten. Ansonsten reicht das Spektrum der insgesamt 49 Autoren alphabetisch von Norbert Blüm bis Guido Westerwelle und parteipolitisch von Michael Glos (CSU) bis Gregor Gysi (PDS). Neben vielen wohlfeilen Betroffenheitsbekundungen findet der Leser auch manche bedenkenswerte Information. Etwa den Hinweis der ehemaligen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger auf die "negative Wanderungsbilanz" in 1999, wie Bürokraten es nennen: Das bedeutet, dass mehr Ausländer die Bundesrepublik verließen, als Immigranten ins Land kamen. Oder ihre Mahnung, dass zur Integration zwei Seiten gehören: Die Einwanderer müssen sich ebenso darum bemühen wie die Inländer. Heiner Geißler empfiehlt als Mittel gegen Fremdenfeindlichkeit, "dass wir uns in der Sprache korrekt benehmen." Ob das schon hilft?

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