Zeitung Heute : Sind wir nicht alle ein bisschen Humboldt?

In Berlin tragen viele öffentliche Einrichtungen den Namen der beiden Gelehrten – mit Stolz

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Foto: privat

Ich bin seit 1983 Humboldtianer. Nach meinem Studium an der Charité und der Facharztausbildung arbeite ich seit 2005 als Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe am Vivantes Humboldt-Klinikum. Meine medizinisch-wissenschaftliche Tätigkeit steht im Zeichen der humanistischen Ideale der Humboldt-Brüder. Im Mittelpunkt stehen sieben Tage in der Woche meine Patientinnen, denen optimal geholfen werden muss, und die jungen Ärzte, die ich ausbilde. Jedes Jahr bringt unser Humboldt-Team fast 1400 Kinder auf die Welt. Meine große Leidenschaft gehört der Geschichte, ursprünglich wollte ich Historiker werden. Deshalb habe ich „nebenbei“ zum Thema „Jüdische Hochschullehrer an preußischen Universitäten“ promoviert.

Andreas D. Ebert ist 46 Jahre alt und Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin am Vivantes Humboldt-Klinikum.

Geboren wurde ich in der chinesischen Provinz Henan. 1989 besuchte ich zum ersten Mal München und blieb länger, weil in Peking Demonstrationen auf dem Tian’anmen-Platz tobten. Ich nutzte die Zeit, um Deutsch zu lernen und studierte schließlich Philosophie und Germanistik. Promoviert habe ich in New York, seither lehre und forsche ich in Berkeley. Seit Anfang August bin ich Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung. Mit Alexander habe ich mich in meinem Buch über die Entstehung des modernen geografischen Raumdenkens beschäftigt. Auch die besondere Bildungsphilosophie seines Bruders Wilhelm interessiert mich sehr. In Berlin möchte ich vor allem mein Buchprojekt zu Völkerrecht und Literatur voranbringen.

Tang Chenxi, Jahrgang 1968, lehrt und erforscht Germanistik an der Berkeley-University und ist Stipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung.

Als Leiterin die Humboldt-Bibliothek in Tegel erlebe ich häufig, dass unser Haus mit der Bibliothek der Humboldt-Universität verwechselt wird. Als unser modernes Gebäude vor 20 Jahren – im Januar 1989 – eröffnet wurde, war die Stadt noch geteilt. Niemand ahnte damals, dass diese „Verwechslung“ so schnell möglich werden würde. Wir haben 128 000 Medien für Kinder und Erwachsene. Ihren Namen verdankt unsere Bibliothek der Nähe zum Schloss Tegel, das eng mit der Kindheit der Humboldt-Brüder verbunden ist. Wir erhalten oft Schenkungen von Bürgern, darunter etwa Briefwechsel zwischen Caroline und Wilhelm von Humboldt. Mittlerweile hat sich auch ein kleines Magazin von Literatur zu und über die Brüder angesammelt.

Hannelore Wagner-Hohenlobbese ist 60 Jahre alt und seit 2002 Leiterin der Stadtbibliothek Reinickendorf.

Ich besuche das Alexander von Humboldt- Gymnasium in Köpenick, im mathematisch-naturwissenschaftlichen Profil. In meiner Klasse wird der Stoff speziell in Mathe und Physik in Extrastunden vertieft. Zu Beginn des Schuljahres werden die Neuen traditionell von Zehntklässlern mit der Schule und unserem Namensgeber vertraut gemacht. Im vergangenen Jahr durfte ich mit einigen Mitschülern der Ordensverleihung Pour le mérite für Wissenschaften und Künste beiwohnen. Bei dem Orden war Alexander von Humboldt in der Gründungszeit erster Kanzler. Im November singe ich beim Humboldt-Konzert mit, zu Ehren von Alexander von Humboldts 150. Todestag. Nach dem Abi möchte ich Wirtschaftswissenschaften studieren – vielleicht an der Humboldt-Uni.

Carlo Rasmus Schwarz ist 18 Jahre alt und besucht die 13. Klasse des Alexander von Humboldt-Gymnasiums in Köpenick.

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