Zeitung Heute : Singles: Hundert Mark für Miriam, zum Ersten ... - Partner-Versteigerung im Internet

Tanja Buntrock

Ein Essen mit Laura, 18 Jahre alt und von Sternzeichen Jungfrau, kostet momentan noch 85 Mark. Den 22-jährigen Jens, der gerne den "Kleinen Prinzen" liest, bekommt man schon für 30 Mark für ein gemeinsames Abendessen.

Was hier ein wenig anzüglich oder nach Basar klingt, ist nur die moderne Art der Partnersuche. Die Zeiten, in denen suchwillige Singles still und heimlich Kontaktanzeigen an anonyme Chiffrenummern schickten, sind vorbei. Im Internet-Zeitalter klickt man sich einfach in das Herz des oder der Auserwählten. Allerdings läuft das nicht ganz so einfach. Wer sich für das Angebot von "world-of-singles" von der Internet-Agentur web5 entschieden hat, der muss - wie für fast alles im Leben - erstmal Geld bieten und eifrig mitsteigern. 30 Mark beträgt das Mindestangebot für alle auf der www.world-of-singles.de Seite sichtbaren Singles. Dem oder der Meistbietenden winkt dann ein gemeinsames, romantisches Abendessen mit dem Ersteigerten. Der Betrag für das Höchstgebot fließt dann in die jeweilige Aids-Hilfe der Stadt.

"Diese Aktion läuft mittlerweile in verschiedenen Städten, wie Augsburg, München, Köln und Düsseldorf", sagt Arne Kissels, Gründer der Internet-Agentur web5. "In München sind schon 2000 Mark in einem Monat für die Aids-Hilfe zusammengekommen."

Seit einigen Wochen sind auch männliche und weibliche Singles aus Berlin im Netz "verfügbar". Noch bis zum 6. Juli kann für die Berliner Jungs und Mädels geboten werden. Danach suchen Promotion-Teams wieder Versteigerungswillige, die in einigen Wochen im Netz beäugt werden können. Neben einem Single-Foto gibt es auf der jeweiligen Internet-Seite ein paar Informationen zur Person. So erfährt man, dass die 18-jährige Widder-Frau Miriam gerne "Philosophie, Theater und offene Menschen mag" und einen Partner im "Altersbereich von 19 bis 25 Jahren" sucht. Während das Angebot für die Berlinerin derzeit bei 100 Mark liegt, kann man sämtliche Berliner (Super-)Männer zum "Sonderpreis" für 30 Mark erhalten. "Für Männer wird einfach nicht so viel geboten wie für Frauen. Männer laufen im Netz nicht so gut", erklärt Kissels.

Momentan profitiert die Internet-Agentur des 33-jährigen noch nicht von der Single-Aktion. Aber mit steigenden User-Zahlen verspricht sich der Jungunternehmer auch einen höheren Bekanntheitsgrad und mehr Aufträge. "Uns war es wichtig, dass durch diese Aktion auch etwas für den guten Zweck, nämlich für die Aids-Hilfe, getan wird. Bislang ist die Resonanz groß. Deshalb haben wir neuerdings auch immer mehr Städte im Angebot", sagt Kissels.

Wer sich an der virtuellen Partnersuche beteiligen möchte, kann sich auf der world-of-singles-Seite im Netz anmelden. Dort werden alle Daten aufgenommen. "Wer bei uns mitsteigert, ist eigentlich verpflichtet zu zahlen, wenn er der Meistbietende ist", sagt Kissels, "aber wir können natürlich niemanden zwingen".

Doch wer läßt sich schon das erste Date mit seinem zukünftigen Märchenprinzen oder -prinzessin entgehen? Und wenn es nicht klappt, dann gibt es ja immer noch die "herkömmliche" Variante: Liebe auf den ersten Blick, ganz unerwartet und unverhofft.

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