Zeitung Heute : Ski digital

Elektrojacken und High-Tech-Handschuhe: Mehr Spaß und Sicherheit beim Wintersport

Gregor Wildermann

Besucher der Macworld in San Francisco sind ohnehin einiges gewöhnt. Seit Jahren hat Apple-Chef und Mitbegründer Steve Jobs in seinen Keynotes neue visionäre Ideen vorgestellt oder gleich mittlere Revolutionen ausgerufen. Auch bei den Produktpräsentationen war die Veranstaltung immer für eine Überraschung gut. Computer mit Ähnlichkeit zu Nachttischlampen wie beim letzten iMac-Modell vervollständigten den Eindruck, dass nur Apple abseits von schönem Design noch zu Innovationen fähig ist.

Passend zur kalten Jahreszeit bot Steve Jobs seinem Publikum in diesem Jahr jedoch ein neues Produkt, mit dem selbst extreme Mac-Fans nicht gerechnet hätten. Die weltweit erste elektronische Snowboardjacke mit eingebautem iPod, dem von Apple selbst hergestellten MP3-Player. Sollte die Firma aus dem kalifornischen Cupertino nun unter die Modedesigner gehen? Was wäre der nächste Schritt – eine Kaffeemaschine mit FireWire und Netzanschluss?

Dabei war diese Neuvorstellung der „Burton Amp“ nur die logische Konsequenz aus dem bisherigen Erfolg des kleinen weißen MP3-Players, der sich besonders unter Skate- und Snowboardern größter Beliebtheit erfreut – nicht zuletzt wegen der gigantischen Speichermenge von bis zu 20 Gigabyte (bis zu 4000 Songs) und der praktischen Drehnavigation. Die Allianz mit der 1977 gegründeten Firma von Jake Burton, dem Erfinder des Snowboards, ergab sich nach deren Vorstellung einer auf 100 Stück limitierten Jacke namens „Analog Clone“, bei der erstmals die SOFTswitch-Technologie am unteren Ende des linken Ärmels eingebaut wurde. Über eine Funktionsleiste sind dabei alle wichtigen Steuerungsbefehle über eine flexible Bedienungsleiste durch einen leichten Druckbefehl anwählbar, so dass kein Wintersportler erst anhalten muss, um die Lautstärke seines Mini-Disk-Players zu regeln. Beim SOFTswitch-Verfahren verlaufen in der Jacke keine Kabel, stattdessen befinden sich im Gewebe der Jacke elektronische Sensoren. Der sonst nicht wasserdichte iPod selbst liegt in einer seperaten Vordertasche und ist durch das resistente Goretex-Material gegen alle Wettereinflüsse geschützt.

Bisher ist die Jacke nur direkt über die amerikanische Website von Apple für 499 US-Dollar bestellbar, der iPod-Player allerdings nicht mitgerechnet. In Deutschland wurde die Jacke gerade erst auf der Sportmesse ISPO Anfang Februar in München vorgestellt und soll dann zur Wintersaison 2003/2004 regulär im Handel erhältlich ein.

Wer schon in diesem Winter seinen Skiurlaub durch interaktive Technik ergänzen will, wird besonders oft auf sein Handy zurückgreifen können. Lebensrettendes bietet zum Beispiel die Internetseite des Eidgenössischen Instituts für Schnee- und Lawinenforschung mit ihrem WAP-Dienst. Damit können die Daten automatischer Lawinenwarnstationen abgefragt werden. In einer Ausrüstungsliste finden sich auch nützliche Hinweise zu Lawinenschutzprodukten wie den Recco-Reflektoren. Diese kleinen Metallplättchen sind zum Teil bereits in Skischuhen und Wintersportkleidung integriert und können von Rettungsmannschaften via Mikrowellenpeilgerät geortet werden.

Unter Ski- und Snowboardern haben sich die SMS-Dienste für „Powder-Alarm“ fest etabliert. Nach Eingabe des gewünschten Skigebietes oder Einzugsraums bekommt man die Neuschneemeldungen per SMS aufs Handy gesendet. Ein WAP-Dienst des österreichischen Mobilfunkanbieters A1 bietet gegen eine Gebühr auch genaue Infos über aktuelle Schneehöhe und Liftsituation. Manch Warteschlange kann so schon per Handy vermieden werden.

Auch für die Bestellung des Skipasses wurden neue Webangebote aufgestellt. Die Netzseite von my-skipass.com ermöglicht die Bestellung der Skigenehmigung. Bereits 15 Minuten nach Bestellung wird die Buchung per E-Mail oder SMS bestätigt. Abgerechnet wird über Kreditkarte oder andere Bezahlalternativen. Die erworbenen Skipass-Daten muss man allerdings auf einen passenden Datenträger abspeichern. Die KeyCards funktionieren drahtlos und können gegen einen geringen Pfand vorab oder im Skigebiet erworben werden.

Alternativ dazu sind die drahtlosen Chipsysteme auch in Uhren oder Handschuhen untergebracht. Der „S-Key Handschuh“ (65 und 125 Euro) funktioniert allein in Europa in 600 Skigebieten. Die in verschiedenen Modellen erhältliche Swatchuhr „Access“ (60 Euro) oder der „Snowpass“ mit eingebautem Chip hat sich seit zwei Jahren in gut 450 Skigebieten weltweit etabliert. Damit lernt man beim Blick auf die Swatch-Website auch, dass selbst in Südafrika ein Skigebiet lockt. Immer mehr Verbreitung findet zudem die drahtlose Bluetooth-Technologie, die bisher vor allem bei Computern, Handys und neuerdings Digitalkameras verwendet wird. Erste Versuche in Skigebieten zeigten jedoch, das bei größeren Menschenmengen die Datenverarbeitung noch zu langsam läuft. Und was nützt alles High-Tech, wenn man dann wieder im Stau steht.

Mehr zum Thema:

www.apple.com/ipod/burton

www.ispo.de , www.mobilkom.at

www.my-skipass.com

www.slf.ch/avalanche/avalanche-de.html

www.recco.com , www.skidata.com

www.s-key.de , www.swatch.com

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