Zeitung Heute : Skitourismus: Ballermann der Alpen

Der Striptease des bierbäuchigen Deutschen nach etlichen Gläsern Obstler hoch oben auf der Skihütte ist keine Ausnahme mehr in österreichischen Wintersportzentren. Dass junge Frauen nach mehreren "Spezialmischungen" ihre Reize nackt zu Markte tragen, gehört immer regelmäßiger zum Skifahrer-Treiben.

Jahrelang haben die Hochburgen des Wintersports die Gäste mit immer aufregenderem Begleitprogramm abseits der Pisten gelockt. "Saufen, Sex und Après-Ski" lösten inzwischen Skilauf und die Hüttenromantik ab, haben heimische Medien beobachtet. "Hübsche Menschen überall, mit pudelnackten Bäuchen und schrägen Fratzen, aus denen der Promille-Faktor abzulesen ist", schreibt die "Kronenzeitung". Die Skiorte wurden daher von den Zeitungen mit Prädikaten wie "Ballermann der Alpen" bedacht .

Herbert Aloys, Bürgermeister in der Tiroler Gemeinde Ischgl, will nun "die Exzesse ausschalten". Die Polizei müsse stärker die Einhaltung der Sperrstunde um 19 Uhr für die berüchtigten Bars im Freien durchsetzen, um Vandalismus und Prügeleien zu unterbinden. Nach dem Lawinentod von drei Deutschen im Ötztal im November hatten die Freiheitlichen (FPÖ) im Tiroler Landtag Beschränkungen des Alkoholausschanks an Schneebars und in Hütten verlangt. "Wir können doch nicht ab einer gewissen Höhenlage nur noch Sprudel ausschenken", kontern die Tourismusmanager. In Sölden wird die rund 300 Meter lange "heiße Après-Ski-Meile" bereits von einem Sicherheitsdienst kontrolliert. Die Wachmänner machen Eingangskontrollen, schlichten Raufereien und sorgen dafür, "dass nicht jeder hinter den erstbesten Blumentopf pinkelt", so Bürgermeister Ernst Schöpf.

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