Zeitung Heute : Skoda: Start mit Hispano-Suiza

ivd

Schon 1923 wurde es erfunden - das Markenzeichen von Skoda mit dem geflügelten Pfeil, das sich, wenn auch in manchen Details modernisiert, bis heute erhalten hat. Und vor nunmehr 75 Jahren hatte es seinen ersten Auftritt an einem Personenwagen, wie Skoda jetzt mitteilte. Streiten wir uns nicht darüber, ob das vielleicht schon ein Jahr früher war, wie verschiedene Chronisten berichten. Sicher ist auf jeden Fall, dass der erste Pkw mit dem geflügelten Pfeil ein Luxusauto war - ein Skoda-Hispano-Suiza nämlich, dessen erstes Exemplar übrigens an den Staatspräsidenten der noch jungen tschechoslowakischen Republik ausgeliefert wurde, an Thomás Garrigue Masaryk.

Skoda und Hispano-Suiza, das ist eine ungewöhnliche Verbindung. Ebenso ungewöhnlich, wie der Start der Fahrzeugproduktion bei Skoda überhaupt. Seine erste Fahrzeugabteilung legte sich der Pilsener Schwerindustriekonzern, der über eigene Stahlwerke verfügte, ganze Fabriken baute, Großgeneratoren und Dampflokomotiven ebenso produzierte wie schwere Waffen, kurz nach Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1919 zu. Produziert wurden anfangs nur Militärfahrzeuge und Fahrzeuge für die Landwirtschaft. Und zu den ersten, die das neue Skoda-Markenzeichen trugen, gehörten in Lizen gefertigte Lastwagen der britischen Marke Sentinel. Deren besonderes Kennzeichen war, dass sie über einen Dampfantrieb verfügten. Einige dieser Wagen überlebten sogar den Zweiten Weltkrieg, waren noch in den fünfziger Jahren auf den Straßen Prags unterwegs.

Auf eine Lizenzfertigung setzte man auch beim Aufbau einer Personenwagenfertigung. Denn für aufwändige eigene Entwicklungen fehlte die Zeit, während ausreichend Geld verfügbar war, Lizenzen zu erwerben. Der erste Schritt auf diesem Weg führte nach Frankreich. Hier produzierte Ernest Ballot seit 1919 Rennwagen und seit 1921 auch Personenwagen. Anerkennung verschafften ihm seine Dreiliter-Achtzylinder, die bei den 500-Meilen-Rennen in Indianpolis 1919 und 1920 die Schnellsten waren, sowie der zweite Platz beim französischen und der erste Platz bei italienischen Grand Prix. Zusammen mit Ballot baute Skoda einen Prototyp. Doch die Zusammenarbeit endete, bevor sie richtig in Gang gekommen war und Skoda hielt schon bald Ausschau nach einem anderen Partner.

Ins Geschäft kam man schließlich mit dem französischen Ableger des spanischen Luxuswagen-Herstellers Hispano-Suiza, von dem man die Lizenz für die Fertigung des H6B erwarb. Das war ein Auto, das zu den Spitzenprodukten seiner Zeit gehörte, wie zum Beispiel die Wagen von Rolls-Royce oder Isotta-Fraschini. Nach schweren Startproblemen und Versuchen mit der Fertigung von Elektroautos hatte sich das spanische Unternehmen unter der Regie des schweizerischen Konstrukteurs Marc Birgkit einen Namen als Luxuswagenhersteller gemacht, der 1911 auch eine französischen Ableger gründete, während des Ersten Weltkriegs vor allem Flugmotoren baute und sich dann auf Luxusautos konzentrierte.

Der Hispano-Suiza H6B zählte zu den besten Autos seiner Zeit, hatte sein Debut 1919 in Paris gegeben und bewahrte sich bis weit in die Dreißiger eine Spitzenstellung. Skoda richtete für die Lizenzfertigung eine 13 000 Quadratmeter große Halle ein, in der 1925 der erste Skoda-Hispano-Suiza fertig wurde. Die ersten fünfzehn Chassis entstanden aus Teilen, die aus Frankreich importiert wurden, von Nummer 16 an waren die Autos echte Skoda-Produkte. Ihre Sechszylinder-Motoren waren abgeleitet vom V12-Flugmotor des Unternehmens. Insgesamt 50 Fahrzeuge gehörten zur ersten Serie, von denen Skoda allerdings nur die Chassis baute. Die Karosserien stammten von verschiedenen tschechischen Karosseriefirmen, vor allem von Vaclav Brozik & Söhnen aus Pilsen.

Später kamen auch Karosserien aus Mlada Boleslav hinzu. Denn 1925 erwarb Skoda die renommierte böhmische Autofabrik Laurin & Klement, die nur mit einem starken Partner an ihrer Seite gegen die Konkurrenten Praga und Tatra überleben konnte. Aber das ist ein anderes Kapitel aus der bewegten Skoda-Geschichte, die ihre luxuriösen Skoda-Hispano-Suiza bis 1929 baute - in insgesamt 160 Exemplaren.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben