SKULPTUR Renée Sintenis : Die Dame mit den Pferdchen

Die Berliner Bildhauerin Renée Sintenis (1888- 1956) verkörperte das Ideal der „neuen Frau“. Sie war 1,80 Meter groß, schlank, trug einen Kurzhaarschnitt und fuhr im eigenen Auto durch die Stadt. Als eine von wenigen Frauen konnte sie sich im dichten Berliner Kunstgeschehen der Zwanziger durchsetzen. Während in der damaligen Zeit eher Monumentalplastiken en vogue waren, schuf Renée Sintenis mitten im trubeligen Charlottenburger Leben, zwischen Nachtclubs und Parties, zarte Tierskulpturen, fragile Bronze-Fohlen, trabende Esel – und nicht zuletzt den Berliner Bären, ihr wohl berühmtestes Werk. Ein Exemplar steht bis heute an der A 115, und auch die Gold- und Silberbären, die jährlich an die Preisträger der Berlinale übergeben werden, beruhen auf Sintenis’ Modell.

Gegen den Willen ihrer Eltern studierte sie seit 1908 an der Kunstgewerbeschule in Berlin. Um das Schulgeld zu verdienen, arbeitete sie unter anderem als Modell beim Bildhauer Georg Kolbe und begann mit eigenen Arbeiten. Bereits 1915 stellte sie erste Werke in der Berliner Secession aus, wo sie einflussreiche Künstler und Sammler kennenlernte. Ihr Kunsthändler Alfred Flechtheim präsentierte ihre Arbeiten unter anderem in Paris und New York. Da sie klein und handlich waren, funktionierten sie auf dem Kunstmarkt sehr gut. 1931 wurde sie als erste Bildhauerin Mitglied in der Berliner Akademie der Künste, wo sie später aufgrund ihrer jüdischen Großeltern wieder ausgeschlossen wurde. Die Ausstellung zeigt neben den Tierskulpturen auch Selbstportraits (Foto, links), Statuetten von Sportlern, Zeichnungen und Radierungen sowie historische Fotos (rechts). Birgit Rieger

Georg Kolbe Museum, Eröffnung: So 24.11., ab 11.30 Uhr, bis 23.3.2014, Di-So 10-18 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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