SKULPTURENThomas A. Straub : In der Schwebe

Wie mal eben abgestellt wirken die Arbeiten des Bildhauers Thomas A. Straub in der St. MatthäusKirche am Kulturforum. Die Kirche sieht ihrerseits aus wie eben stehen gelassen, wie ein Solitär auf weitem Feld, zwischen Neuer Nationalgalerie und Philharmonie. An diesem Ort kann sich Kunst immer wieder mit Religion verbinden. Straub, Künstler aus Karlsruhe und kürzlich von der Stiftung Christliche Kunst Wittenberg ausgezeichnet, tut das auf sehr abstrakte, konzeptuelle Weise. Ein einfach an die Wand gelehnter Strahlenkranz erinnert noch an jenes gleißendes Licht, aus dem in der christlichen Darstellungstradition die Taube als Symbol des Heiligen Geistes schwebt. Aus dem Zusammenhang gerissen, wirkt der Strahlenkranz jedoch eher wie eine abmontierte Requisite aus einem frommen Bühnenspiel.

Der junge Straub, geboren 1976, weiß, was er tut. Er hat an der renommierten Holzbildhauerschule in Oberammergau gelernt. Dort hat er die christliche Ikonografie von der Pike auf gelernt. Später studierte er an der Kunstakademie Karlsruhe. Den Altar reduziert Straub auf seine wesentlichen Bestandteile: Flügeltüren und Mittelteil aus Leuchtplatten. So macht er seine Dreiteiligkeit bewusst, seine ursprüngliche Verwendung. An Werktagen waren alle Türen zugeklappt, an Festtagen wurden sie geöffnet und der Blick auf die Mitte freigelegt. Bei Straub sieht man keine figürlichen Darstellungen. Nur das helle Licht blendet. Kratzt Straub an Heiligtümern? Oder lädt er damit das Objekt erst recht sakral auf? Spielt er mit dem Symbolcharakter? Das Spannende an Straubs Arbeiten ist die Schwebe, in der er seine Kunst hält. Anna Pataczek

St. Matthäus-Kirche, bis So 2.1., Di-So 12-18 Uhr, Eintritt frei

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