Zeitung Heute : Skyline im Wandel

Rund um den Breitscheidplatz wird in den nächsten Jahren kräftig gebaut

Cay Dobberke

Die Gegend rund um den Breitscheidplatz wird ihr Gesicht in den kommenden Jahren stark verändern – an kaum einer anderen Stelle der Stadt gibt es so viele Bauprojekte und Stadtentwicklungsvorhaben. Rund 500 Besucher der Langen Nacht des Shoppings können einen Vorgeschmack auf eines der künftigen Gebäude bekommen: Die Firma OFB will abends den Grundstein für ihr „City Light House“ an der Kant-/ Ecke Joachimstaler Straße legen. Die Party unter dem Motto „Saturday Light Fever“ findet in der Baugrube unter einem durchsichtigen Zeltdach statt. Angekündigt sind der Auftritt eines Zauberers, eine Lichtshow und Discomusik. Eintrittskarten dafür verlost der SFB-Radiosender 88,8 unter seinen Hörern.

In dem achtstöckigen, etwa 55 Millionen Euro teuren Gebäude entstehen Läden und Büros, die im dritten Quartal des Jahres 2003 fertig werden sollen. Der bereits abgerissene Altbau an gleicher Stelle war vor allem als Sitz des traditionsreichen Sportgeschäfts Skihütte bekannt. Das englische Wort „light“ im Namen des Neubaus steht sowohl für die „leichte“ Architektur mit viel Glas als auch für ein Lichtkonzept, das den Bau nachts erstrahlen lassen soll. Der Entwurf stammt vom Architektenbüro Collignon / Fischötter; der Bauherr OFB ist eine Tochterfirma der Landesbank Hessen-Thüringen. Das Projekt ist allerdings an die Schweizer Großbank Credit Suisse verkauft worden.

Manche andere Projekte in der Nachbarschaft kommen dagegen nur schleppend voran. Für das 118-Meter-Hochhaus „Zoofenster“ zwischen Kant-, Joachimstaler und Budapester Straße wurde zwar die Baugrube ausgehoben, doch seit dem Sommer ruhen die Arbeiten. Die Hotelgruppe Hilton hatte überraschend mitgeteilt, dass sie das geplante Luxushotel doch nicht betreiben wolle. Seitdem sucht die Kölner Investorengruppe Dr. Ebertz und Partner, der das Gelände gehört, einen neuen Interessenten. Derzeit gebe es „intensive Verhandlungen mit einer internationalen Hotelgruppe“, sagt Rudolf Banner vom beteiligten Ingenieurbüro Ruths. Nach dem neuesten Konzept solle das Fünf-Sterne-Hotel nur noch 410 statt 560 Zimmer bekommen. Dafür wolle man fünf der 35 Etagen zu Büroräumen machen. Entgegen dem Wunsch des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf werde es aber keine Wohnungen geben: „Das rechnet sich nicht“, meint Banner.

Der Tunnel wird „gedeckelt“

Nur einen Steinwurf entfernt soll bald das so genannte Schimmelpfeng-Haus über der Kantstraße einem Gebäudekomplex weichen, zu dem ebenfalls ein 118-Meter-Hochhaus gehört. Das Grundstück wurde von der Firma Casia gekauft – einer Tochterfirma der Rheinischen Hyp, die wiederum zur Commerzbank gehört. Der Bauantrag soll im Frühjahr 2003 gestellt werden; der Baubeginn ist für 2004 und die Fertigstellung für das Jahr 2005 geplant. Einziehen sollen vor allem Büros, in die unteren Etagen aber auch Geschäfte.

Unterdessen will auch die Bayerische Immobilien AG den so genannten Zoobogen an der Budapester Straße umbauen und modernisieren. Zu dem Gebäude-Ensemble gehören das „Bikini-Haus“ mit seiner Ladenpassage, das Eckhaus am Hardenbergplatz und das frühere Kugelkino, aus dem jetzt sonntags die Talkshow „Sabine Christiansen“ gesendet wird.

Vom Fortgang dieser Projekte hängt auch ab, wann die seit Jahren geplante Umgestaltung des Breitscheidplatzes beginnt. Die Investoren wollen sich nämlich finanziell daran beteiligen. Außerdem hält Referatsleiter Christian Kuhlo von der Stadtentwicklungsverwaltung ein gemeinsames Konzept für nötig, um ein Chaos durch die verschiedenen Bauarbeiten zu verhindern.

Im Frühjahr 2000 hatten die Landschaftsarchitekten Heike Langenbach und Roman Ivancsics einen Neugestaltungswettbewerb für den Breitscheidplatz gewonnen. Bereits vorher hatte Bausenator Peter Strieder (SPD) die Schließung des Autotunnels unter der Budapester Straße angekündigt. Auch Hochbeete entlang der Unterführung sollen verschwinden. Der Zoobogen könne so besser mit dem Breitscheidplatz verbunden werden, heißt es. Aus Kostengründen will die Bauverwaltung den Tunnel nur „deckeln“ und nicht zuschütten. Der Platz selbst wird auch neue Bänke erhalten. Die Bäume in der Mitte sollen verschwinden, dafür sind Neuanpflanzungen am Rande vorgesehen. Fallen gelassen hat die Bauverwaltung dagegen die Idee der Landschaftsarchitekten, „Leuchtbänder“ in den Boden einzulassen.

Eine „Pro & Contra“-Umfrage des Tagesspiegel ergab im Frühjahr 2000 übrigens eine klare Mehrheit gegen die Neugestaltung: 73,9 Prozent der Leser hielten die Maßnahme für überflüssig.

Auch die Hochhausprojekte sind umstritten. Besonders die Pfarrerin der Gedächtniskirche, Sylvia von Kekulé, hat wiederholt scharfe Kritik geübt. Sie befürchtet eine „Verschattung“ des Gotteshauses.

Von Baugerüsten und Planen verhüllt ist derzeit das Eckhaus zwischen Kant- und Joachimstaler Straße, in dem unter anderem auch das Erotikmuseum von Beate Uhse residiert. Das Gebäude bleibt allerdings erhalten, es wird lediglich modernisiert.

Auf dem benachbarten Parkplatz des Ullrich-Supermarkts neben dem Theater des Westens will die Firma Parking Partner demnächst ein Geschäftsgebäude mit Hotel und Parkhaus errichten. Zu dem Vorhaben gehört auch eine Passage entlang dem Bahnviadukt.

Zwei große Bauprojekte in der Nähe sind dagegen abgeschlossen: das Neue Kranzler–Eck mit Bürohochhaus und Geschäften sowie das Neue Ku’damm-Eck, das ein neues C & A-Kaufhaus und ein Swissotel-Hotel beherbergt. Seit einigen Monaten läuft außerdem die Umgestaltung des Joachimstaler Platzes. Die wichtigste Veränderung ist, dass der bisherige Parkplatz aufgegeben wurde und künftig Passanten zum Verweilen einladen soll. Bei schönem Wetter wird es dort auch Gastronomie im Freien geben. Die Arbeiten sollen bis Anfang 2003 beendet sein. Noch eine Baustelle gibt es am Joachimstaler Platz / Ecke Augsburger Straße: Dort wurde gerade das alte C & A-Kaufhaus abgerissen, dafür entsteht ein Hotel der französischen Concorde-Gruppe.

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