Zeitung Heute : „So etwas macht man nicht nebenbei“

Bachelor und Master – an der TFH Sache von Burghilde Wieneke-Toutaoui

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Die Technische Fachhochschule (TFH) stellt zum kommenden Wintersemester ihr gesamtes Studienangebot auf die neuen Abschlüsse Bachelor und Master um. Die Fäden dieser Mammutreform liefen im Präsidium der Hochschule zusammen, bei Burghilde WienekeToutaoui, der Vizepräsidentin für Lehre und Studium.

Frau Wieneke-Toutaoui, wie viele Studiengänge wurden in den zurückliegenden Monaten umgebaut?

Wir hatten früher 45 Diplomstudiengänge in verschiedenen Fachrichtungen, von den technischen Fächern über Management und Unternehmensführung hin zu Gartenbau oder Augenoptik. Daraus sind nun an die 60 neue Studiengänge geworden, in denen wir Bachelor oder Master als moderne Abschlüsse anbieten.

Solche Reformen, noch dazu in diesem Umfang, müssen angeschoben und umgesetzt werden. Seit wann bemüht sich die Technische Fachhochschule darum, ihre Ausbildungsangebote an internationale Trends anzupassen?

Das ist eine ureigene, dauerhafte Aufgabe, vor der jede Hochschule steht. Bei den Debatten um neue Abschlüsse, Leistungspunkte und modulare Studiengänge waren wir schon Ende der 90-er Jahre dabei, damals noch mit Pilotprojekten, die vom Bund unterstützt wurden. Vor drei Jahren haben wir einen neuen Entwurf für die Ordnungen aufgelegt, in denen die Rahmen für alle Studiengänge an der TFH und unsere Abschlüsse festgelegt sind. Damit war der Weg für die einzelnen Studiengänge vorgezeichnet. Es begann die mühevolle Phase, in der die einzelnen Fächer modernisiert wurden. Jetzt, wo es geschafft ist, habe ich das erste Mal seit Jahren das Gefühl, wirklich Urlaub zu brauchen.

Die Reform ist geschafft? Woran machen Sie das fest?

Die Senatsverwaltung für Wissenschaft hat unser neues Studienkonzept bereits genehmigt, übrigens in sehr unbürokratischer und hilfreicher Weise. Nun müssen wir darauf warten, wie die jungen Leute unser Angebot annehmen. Das ist aber nur eine kurze Verschnaufpause, denn fortan wird die Reform zum normalen Alltag der Hochschule gehören. Wir werden die Studiengänge immer wieder den Belastungstests aus der Praxis unterwerfen, müssen die Erfahrungen unserer Studierenden in die Lehrpläne einfließen lassen, das hat sich an Fachhochschulen bereits bewährt.

Die Technische Fachhochschule hat das komplette Studienangebot modernisiert. Sie ist damit weiter vorgeprescht als jede andere Hochschule in Berlin. Welche Ursachen hatte dieser Erfolg?

Am Anfang stand die strategische Entscheidung des Präsidiums – aber dann muss ich vor allem die offene Kommunikation und das enge Vertrauen der Kollegen untereinander nennen. Professoren, Mitarbeiter und Studierende haben sich in vorbildlicher Weise bemüht, die Studienreform zu einem Erfolg werden zu lassen. So etwas macht man nicht nebenbei, da sind unzählige Gremiensitzungen notwendig, an den Wochenenden, zusätzlich zum normalen Hochschulbetrieb oder gar nachts. Wir haben es geschafft, die Probleme in kleinen Arbeitsgruppen zu lösen, auch die Fachbereiche haben enorme Anstrengungen unternommen. Jetzt haben wir die anderen Hochschulen eingeladen, um von unseren Erfahrungen zu profitieren und sich an den TFH-Masterangeboten zu beteiligen.

Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass die Industrie und die Wirtschaft die neuen Abschlüsse tatsächlich annehmen werden?

Bei großen Unternehmen wie Siemens ist das kein Problem. Solche Global Players wissen Bachelor und Master aus dem internationalen Geschäft einzuordnen und zu schätzen. Viele kleinere und mittelständische Unternehmen hingegen sind noch dem alten Diplom verhaftet. Doch ich bin sicher, dass unsere Studierenden und Absolventen schnell deutlich machen, dass mit den neuen Abschlüssen keine Abstriche in der Qualität des Studiums verbunden sind. Es wird nur wenige Jahre dauern, bis sich Bachelor und Master als hohe und zuverlässige Qualifikationen herumgesprochen haben.

Das Gespräch führte Heiko Schwarzburger.

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