Zeitung Heute : So geht’s

Die Vorwahlen in Florida waren die letzten vor dem „Super Tuesday“ in der kommenden Woche, an dem in 22 US-Staaten Präsidentschaftskandidaten nominiert werden. Wer geht als Favorit ins Rennen?

Christoph Marschall

Das Kandidatenfeld lichtet sich: Bei den Demokraten hat John Edwards seinen Rückzug aus dem Vorwahlkampf erklärt, nachdem er bei allen bisherigen Abstimmungen gegen seine Konkurrenten Hillary Clinton und Barrack Obama nicht punkten konnte. Bei den Republikanern ist der ursprüngliche Favorit, Rudolph Giuliani, chancenlos und ein Außenseiter mittlerweile der Frontrunner: John McCain. 36 Prozent der Republikaner stimmten in Florida am Dienstag für ihn. Der Senator aus Arizona kann nun mit kräftigem Rückenwind in den „Super Tuesday“ gehen. Am 5. Februar stimmen 22 Staaten gleichzeitig ab, welcher Kandidat in der Hauptwahl im November antreten soll.

Der große Verlierer ist Rudy Giuliani. Der Ex-Bürgermeister von New York hatte seine ganze Strategie auf einen Sieg in Florida aufgebaut. Er wurde mit 15 Prozent nur abgeschlagener Dritter. Nun wird spekuliert, dass er seine Kandidatur aufgibt und seinen Anhängern empfiehlt, sich hinter John McCain zu stellen, den anderen moderat konservativen Pragmatiker unter den republikanischen Bewerbern.

Die „New York Times“ spricht von einem „atemberaubenden freien Fall“ Giulianis und fragt, ob Experten und Bürger nicht einer Illusion aufgesessen sind. Das ganze Jahr 2007 hatte Giuliani in den Umfragen unter Konservativen geführt, oft mit großem Abstand. Die angebliche Zuneigung der Rechten für diesen Mann hatte allgemein Verwunderung ausgelöst. Zwar genießt Giuliani landesweites Ansehen, weil er New York nach dem Terroranschlag 2001 Durchhaltekraft gegeben hat. Aber programmatisch klaffen Welten zwischen ihm und der Mehrheit der Konservativen. New Yorker Republikaner sind, gemessen an ihren Parteikollegen in der Mitte des Landes, zu moderat. So lehnt Giuliani ein allgemeines Abtreibungsverbot ab, ist für Waffenkontrollen, weil man die Kriminalität in einer Großstadt nicht anders in den Griff bekommt. Er zeigt Toleranz gegenüber Homosexuellen und ist zweifach geschieden. Als Wunschkandidat in den Umfragen konnte er sich wohl nur deshalb ein Jahr lang halten, weil er damals der Einzige war, dem die Republikaner zutrauten, Hillary Clinton zu besiegen.

Aus den Vorwahlen hat sich nun aber ein anderer Favorit ergeben, und deshalb kann die Partei ihrer programmatischen Abneigung gegen Giuliani freien Lauf lassen. Die Herzen fliegen John McCain zu. Im Sommer 2007 war er noch unpopulär, weil er die Truppenverstärkung im Irak unterstützte. Seine Kampagne war sogar pleite, er erhielt kaum noch Spenden. Jetzt gehen die Anschläge im Irak zurück, und er gilt als weiser Militärstratege. Nach seinen Siegen in New Hampshire, South Carolina und Florida ist er nun der klare Favorit.

Mitt Romney, der Mormone und Ex- Gouverneur von Massachusetts wirkt nach der Niederlage in Florida (31 Prozent) wie der ewige Zweite. Und Mike Huckabee, der als gitarrespielender Baptistenprediger und Ex-Gouverneur von Iowa zwischenzeitlich die Herzen der Republikaner erobert hatte, landete auf dem vierten Platz. Sein Wahlkampf neigt sich damit wohl dem Ende zu.

Bei den Demokraten wird die Vorwahl in Florida nicht gewertet, weil dem Staat die Delegierten für den Nominierungsparteitag im August aberkannt worden waren. Florida hatte sich der Auflage der nationalen Parteiführung widersetzt, die Vorwahl frühestens am 5. Februar abzuhalten. Konsequenzen für den Wahlkampf der Demokraten hat das Ergebnis dennoch: Edwards, der nur 14 Prozent der Stimmen holte, gibt auf. Damit kommt es nun endgültig zu einem Showdown zwischen Hillary Clinton und Barack Obama. Für Clinton stimmten in Florida übrigens 50 Prozent, für Obama 33 Prozent.

Edwards, ehemaliger Senator von South Carolina, will zunächst weder Clinton noch Obama unterstützen. Es sei jetzt an der Zeit zur Seite zu treten, damit sich Geschichte ihren Weg bahnen könne, sagte er mit Blick darauf, dass Clinton die erste Frau und Obama der erste Schwarze im höchsten Amt wäre. Gegen die mediale Dauerpräsenz seiner Konkurrenten konnte Edwards nicht ankommen, trotz seiner populären Themen: Er forderte eine gerechtere Besteuerung von Armen und Reichen. Außerdem wollte er ein Drittel der Truppen aus dem Irak sofort nach Hause holen, ein gestaffelter Abzug aller Soldaten sollte folgen. Leicht hat es Edwards auch privat nicht. Seine Frau Elizabeth hat Brustkrebs.

Nun also geht es bei den Demokraten nur noch um eine Frage: Bringt der „Super Tuesday“ eine Vorentscheidung? Oder bleibt auch dann das Patt zwischen Hillary Clinton und Barack Obama, weil sich die Vorwahlsiege erneut annähernd auf beide gleich verteilen?

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