Zeitung Heute : So gut es geht

Frank Bachner[Athen]

15 Doping-Fälle zählt Athen bis jetzt. Wie kommt es bloß, dass die Besten der Besten trotz der extrem scharfen Kontrollen dopen?

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als hätte der ungarische Diskuswerfer Robert Fazekas aus Dummheit die Goldmedaille verloren. Jeder kannte die intensiven Kontrollen bei Olympia. Trotzdem versuchte der Ungar, mit Fremdurin zu manipulieren. Tatsächlich fühlte sich Fazekas zu sicher. Denn die Methode, über einen Katheter dopingmittelfreies Urin abzugeben, hat offenbar ein Jahr lang funktioniert. Ein Teamkollege von Fazekas hatte schon 2003 dem deutschen Diskuswerfer Lars Riedel davon erzählt. Riedel gab den Tipp weiter, doch gezielt kontrolliert wurde Fazekas nicht. Nun war er überrascht, dass ihn 15 Kontrolleure keine Sekunde aus den Augen ließen.

Übertriebene Selbstsicherheit ist die einzige schlüssige Erklärung dafür, dass reihenweise Dopingsünder in Athen auffliegen. Sie alle dachten wohl, dass in Athen die Kontrollen so unvollkommen sind, wie zum Teil anderswo. Denn gefunden werden im Urin der Betrüger ja keine neuen Mittel, bei denen die Athleten hoffen konnten, dass sie nicht nachweisbar sind. Herausgefiltert wurden Klassiker wie Clenbuterol und Stanozolol.

Die Trainingskontrollen scheinen genug Spielraum zum Betrug gelassen zu haben. Vermutlich haben die Doper auch unterschätzt, wie gut jetzt Wachstumshormone drei Tage lang nachzuweisen ist. Wachstumshormone, sagte der Heidelberger Doping-Experte Werner Franke, dienen vor allem zum Verschleiern von anderen Dopingsubstanzen.

Zudem konnten viele Doper auf den Schutz eines ganzen Geflechts setzen. Trainer, Ärzte, Funktionäre. In Griechenland, so stellt sich jetzt heraus, hat der nationale Verband bewusst weggeschaut, als Stars wie der jetzt ausgeschlossene Olympiasieger von 2000, Konstantinos Kenteris, permanent Anti-Doping- Regeln brach. Dass Ärzte oft in ein Betrugssystem integriert sind, ist bekannt.

Nationales Prestige, Geld, sozialer Aufstieg, überbordender Ehrgeiz, das sind immer noch die Triebfedern für Doping. Wer Olympiasieger wird oder Medaillengewinner, verdient viel Geld. Das russische olympische Komitee zahlt für jede Goldmedaille 50000 Dollar. Wer zudem einen Weltrekord erreicht, erhält weitere 50000 Dollar. Andere osteuropäische Länder bezahlen ähnlich viel. In Staaten, in denen das durchschnittliche Monatseinkommen bei 100 Dollar liegt, ist deshalb der Anreiz, Platz eins zu belegen enorm. Dazu kommt, dass gerade in solchen Ländern das Doping-Kontrollsystem sehr löchrig ist.

Bei Olympischen Spielen wurde das Thema Doping jahrzehntelang verharmlost. Dopingsünder konnten sich sicher fühlen, solange sie clever waren. Dass jetzt IOC-Chef Jacques Rogge so schnell ernst macht, hatten sie nicht gedacht.

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